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Muttermilch abpumpen & richtig aufbewahren

Text: Sofia Vittoria Nanni
Ob wegen der Arbeit, bei Stillproblemen oder einfach für ein kleines bisschen mehr Bewegungsfreiheit: Milch abpumpen kann aus vielen Gründen sinnvoll sein. Wir haben Tipps und Hinweise zum richtigen Abpumpen.

Natürlich ist Muttermilch das Beste für jedes Baby. Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ empfiehlt daher, Babys mindestens bis zum Beginn des fünften Lebensmonats zu stillen, die WHO empfiehlt mindestens 6 Monate voll zu stillen. Aber auch darüber hinaus ist stillen sinnvoll – auch für die Gesundheit der Mutter. Die überflüssigen Schwangerschaftspfunde werden schneller abgebaut, die Hormone pendeln sich schneller wieder ein. Doch manchmal kann auch das Abpumpen der Muttermilch sinnvoll sein. Zum einen aus medizinischen Gründen, zum anderen wenn du wieder arbeiten gehen willst, dein Baby aber weiterhin mit Muttermilch versorgt werden soll. Außerdem verschafft es dir einige Freiheiten wenn auch der Vater oder eine andere Betreuungsperson dein Baby füttern kann.

Wann kann eine Milchpumpe zum Einsatz kommen?

Bei Stillproblemen

Gerade anfangs muss sich das Stillen erst einmal einpendeln. Wichtig ist, sich von der Hebamme genau zeigen zu lassen wie man das Baby richtig anlegt. Das vermeidet Probleme – zum Beispiel mit wunden Brustwarzen. Ist es jedoch schon geschehen und die Brustwarzen schmerzen, kann das Abpumpen eine echte Erleichterung sein. Aber auch eine Brustpumpe ist nicht unbedingt schmerzfrei in der Benutzung. Wenn ihr also aus diesem Grund etwas abpumpen wollt, achtet auf eine Pumpe, bei der man die Saugstärke regulieren kann. Wenn sich die Milch schon staut, kann man vorsichtig etwas abpumpen, um die Brust zu erleichtern. Achtet darauf, dass die Milchproduktion nicht zusätzlich angeregt wird. Sprecht mit eurer Hebamme darüber, wann der Einsatz einer Milchpumpe sinnvoll ist.

Bei Frühgeborenen

Die meistenFrühgeborenen schaffen es nicht, von Anfang an aus der Brust zu trinken. Hier wird in der Regel direkt nach der Geburt Muttermilch abgepumpt und per Hand zugefüttert.

Um die Milchbildung anzuregen

Wenn du dein Baby anfangs häufig anlegst – etwa alle 1,5-2 Stunden – wird die Milchproduktion angeregt. Da es aber vorkommt, dass das Baby nur sehr wenig trinkt, kann die Milchbildung eventuell nicht ausreichend angeregt werden. Eine Milchpumpe kann hier unterstützend wirken. Dazu pumpt ihr einfach nach jedem Stillen für ein paar Minuten zusätzlich Muttermilch ab. So legt ihr schon von Anfang an einen Vorrat für später an. Auch diese Vorgehensweise solltet ihr aber mit euere Hebamme besprechen. Denn in der Regel pendelt sich alles ganz von alleine ein.

Beim Arbeiten

Wenn du als Mutter wieder arbeiten gehst, aber trotzdem weiter stillen möchtest ist das Abpumpen eine gute Alternative. Der Arbeitgeber muss sowohl einen Raum, als auch die Zeit fürs Abpumpen zur Verfügung stellen. Es gibt praktische Pumpen, die ohne viel Aufwand ein schnelles Abpumpen möglich machen.

Bei der Einnahme von Medikamenten

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass du Medikamente einnehmen musst, die in die Muttermilch übergehen könnten. In diesem Fall ist das Stillen nicht möglich, und du kannst diese Zeit mit einer Milchpumpe überbrücken. Einerseits geht es darum, eventuell einen Vorrat an Muttermilch anzulegen bevor du mit der Einnahme der Medikamente beginnst, andererseits kannst du die belastete Muttermilch abpumpen, um den Stillrhythmus nicht zu unterbrechen. Die abgepumpte Muttermilch muss dann einfach entsorgt werden.

Für mehr Flexibilität

Ein paar Portionen eingefrorene Muttermilch, macht das Leben in vielerlei Hinsicht einfacher. Ein Kinoabend mit Freundinnen, ein entspanntes Abendessen auswärts mit dem Partner… Trotzdem kann das Baby bestens versorgt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass auch der Papa im Alltag mal einspringen und das Baby versorgen kann. Das stärkt unter anderem auch die Bindung zwischen Vater und Kind.

Wo bekomme ich eine Milchpumpe?

Wenn es ein medizinisches Problem gibt, dann wird dir ein Rezept für eine Milchpumpe ausgestellt. Man kann sich dann ein Gerät in der Apotheke ausleihen. Es gibt aber auch Hebammen, die Milchpumpen verleihen. Die Krankenkassen übernehmen dann die Kosten. Aber auch ohne Rezept kannst du eine Milchpumpe gegen eine geringe Gebühr von wenigen Euro pro Tag ausleihen.

Eine Milchpumpe kaufen: Darauf solltest du achten

Es gibt von verschiedenen Herstellern ganz unterschiedliche Systeme zum Abpumpen. Manche funktionieren per Hand, andere elektrisch. Welche Pumpe du für dich wählst, ist davon abhängig wie oft und wie intensiv du sie verwenden willst. Hebammen empfehlen bei regelmäßigem Abpumpen der Muttermilch oft ein Doppelpumpsystem. Das hat den Vorteil, dass gleichzeitig beide Brüste abgepumpt werden, was unglaublich viel Zeit spart. Zudem werden ca. 18 Prozent mehr Muttermilch abgepumpt als beim normalen Stillen und die Milch hat außerdem einen höheren Fett- und Kaloriengehalt. Gerade wenn du in den Arbeitspausen abpumpen musst ist ein Doppelpumpsystem sehr hilfreich. Im Fachhandel kannst du dich beraten lassen, aber auch die Hebamme oder eine Stillberaterin kann dir wichtige Tipps liefern.

Folgende Fragen solltest du dir vor dem Kauf stellen: Möchte ich regelmäßig abpumpen oder nur gelegentlich? Möchte ich manuell oder elektrisch abpumpen?

Unsere Tipps für den Kauf einer Milchpumpe:

  • Die Pumpe muss sich leicht zusammen bauen lassen
  • Je weniger Einzelteile die Milchpumpe hat, desto einfacher ist sie in der Regel in der Handhabung
  • Das Vakuum, das die Pumpe erzeugt, muss stark genug sein. Ist es zu schwach kommt keine Milch, ist es zu schwach, schmerzen die Brustwarzen schnell.
  • Der Brustaufsatz, bzw. der Trichter sollte möglichst nur die Brustwarze umfassen und wenig Vorhof
  • Die richtige Brusthaubengröße ist entscheidend damit die Pumpe für dich richtig funktioniert.

Wann sollte man am besten Abpumpen?

Wenn du zusätzlich Milch zum Einfrieren abpumpen willst, ist nach der Stillmahlzeit deines Babys der richtige Zeitpunkt. Wichtig ist mit der zweiten gestillten Brustseite anzufangen, denn diese ist meist vom Baby nicht ganz leer getrunken. Wie viel Milch du abpumpen kannst, ist individuell sehr unterschiedlich. Es spielt sich eventuell auch erst mit der Zeit ein.

Normalerweise sind 10 bis 15 Minuten pro Brust ausreichend. Wenn du das Baby vorher anlegst besteht auch keine Gefahr den Stillrhythmus durcheinander zu bringen. Allerdings können elektrische Milchpumpen bei manchen Müttern die Milchproduktion zusätzlich anregen.

Wenn du aus medizinischen Gründen gerade die Milchpumpe benutzt und dein Baby nicht anlegen kannst, hilft es während des Abpumpens mit dem Baby zu kuscheln. Manche Frauen massieren die Brust vorher sanft oder wärmen sie mit einem Kirschkernkissen etwas an. Je entspannter du beim Abpumpen bist, desto leichter funktioniert es.

Hygiene ist wichtig beim Abpumpen

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Hände, Umgebung und Lagerbehälter sollten sauber sein. Die Flasche, in die die Muttermilch kommt, muss nicht jedes Mal sterilisiert werden, es genügt sie mit heißem Seifenwasser gut auszuwaschen und abzuspülen. Auch ein Waschgang in der Spülmaschine ist in Ordnung. Hast du keine Seife zur Hand, solltest du die Fläschchen vorzugsweise mit kochendem Wasser auswaschen. Die Brustwarzen musst du vor dem Abpumpen übrigens nicht extra reinigen.

Allerdings ist die richtige Pflege der Milchpumpe wichtig. Die Pumpenteile sollten nach jedem Gebrauch mit Wasser abgespült und mit etwas Spülmittel und einer sauberen Bürste gründlich gereinigt werden. Einmal am Tag können die Teile zusätzlich in kochendem Wasser ausgekocht oder im Vaporisator sterilisiert werden. Der Schlauch darf natürlich nicht ausgekocht werden, sonst wird er porös.

Muttermilch richtig lagern

Wenn du unterwegs bist und gerade kein Gefrierfach in der Nähe ist kannst du die Beutelchen mit der Muttermilch auch in einer kleinen Kühltasche aufbewahren. Lagerst du die Milch bei einer Temperatur von +4°C bis +6°C kannst du sie bis zu 24 Stunden aufbewahren. In der Tiefkühltruhe (bei -18°C) hält die Muttermilch sogar 3 – 6 Monate. Ist keine Kühlung vorhanden darfst du die Milch bis zu 8 Stunden nach dem Abpumpen verfüttern, jedoch solltest du sie dann nicht mehr einfrieren.

Diese Behälter solltest du verwenden zur Aufbewahrung

Geeignet für die Aufbewahrung von Muttermilch sind Bisphenol-A-freie Gefäße aus Hartplastik (z. B. Polyethylen – PE und Polypropylen – PP) oder Glas. Achte darauf, dass die Behälter luftdicht verschlossen werden können. Am besten solltest du die Milch gleich in den Aufbewahrungsbehälter abpumpen. Du kannst am selben Tag übrigens mehrmals in denselben Behälter abpumpen. Platzsparend für zu Hause und zum Einfrieren sind die extra für Muttermilch angefertigte kleine Plastikbeutel.

mama&family-Tipp: Vergiss nicht, jedes Fläschchen oder Beutelchen mit dem genauen Datum zu versehen.

Muttermilch richtig aufwärmen

Vorsicht beim Erwärmen der gelagerten Muttermilch: Sie darf nicht heißer als 37 Grad werden, da sonst wichtige Nährstoffe verloren gehen. Auf keinen Fall solltest du die Muttermilch in der Mikrowelle erhitzen. Dort wird sie nur unregelmäßig warm und die Hitze ist nur schwer kontrollierbar. Das Erwärmen im Wasserbad ist eine gute Alternative.

Übrigens: Damit das Baby nicht verwirrt ist solltest du stillfreundliche Weithalssauger verwenden. Hier ist die Regel: Wenn man die Flasche mit dem Sauger umdreht, sollte nicht mehr als ein kleiner Tropfen pro Sekunde herausfließen.

Quelle: Bundesverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC e.V

Bilder: Gettyimages

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