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Montessori für Zuhause – so kannst du dein Kind fördern

Text: Kirsten Hemmerde
Hilf mir, es selbst zu tun: Das ist der Leitsatz des Montessori-Konzeptes. Mit wenigen räumlichen Veränderungen und gezielt eingesetztem Material kannst auch du dein Kind unterstützen, selbstständig zu werden und seine eigene Wege zu gehen.

Die Italienerin Maria Montessori ist das Gesicht hinter diesem pädagogischen Konzept. Als erste Frau studierte sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Italien Medizin. Anschließend arbeitete Montessori als Ärztin mit behinderten Kindern. Hier entwickelte sie die Grundzüge ihres Förderprogramms. Die ersten Ergebnisse erstaunten alle: Denn ihre als zurückgeblieben eingestuften Schützlinge entwickelten ungeahnte Fähigkeiten und erzielten bei Prüfungen ähnliche Ergebnisse wie nicht behinderte Kinder. Daraufhin baute Montessori ihre Leitgedanken weiter aus und übertrug sie auf Kinder verschiedenster Altersklassen. Schnell setzte sich dieses vielversprechende Konzept international durch. Heute gibt es weltweit tausende Montessori-Schulen und Kitas, die Kinder nach den Prinzipien der engagierten Italienerin fördern. Eine Übersicht über Einrichtungen in Deutschland findest du beim Montessori Bundesverband.

Bild: Pexels

Montessori Leitgedanke: Hilf mir, es selbst zu tun

Der Schlüssel von Maria Montessoris pädagogischer Methode liegt darin, dass sie dem Kind vertraut und glaubt, dass es viele Dinge alleine schaffen kann. Jedes Kind hat demnach einen Lerneifer – geht aber dabei nach seinem eigenen Tempo vor. Vorgegebene Lernmaterialien und Lernwege – wie es sie meist in Schulen gibt – sind laut diesem Konzept eher hinderlich. Montessori setzt stattdessen auf eine vorbereitete Umgebung, die der Entwicklung des Kindes angepasst ist und es auf spielerische Art unterstützt. „Hilf mir, es selbst zu tun“ – das ist der Leitgedanke dieses Konzeptes. Erzieher und Eltern begleiten und beobachten dabei, sollen jedoch nicht steuernd eingreifen.

Mit diesen Möbeln wandelst du das Konzept für euer Zuhause um

Eine Umgebung nach Montessori regt Kinder an, viel auszuprobieren, sich zu entfalten und möglichst selbstständig zu handeln. Ob spielen, waschen, anziehen oder auch Essen kochen – schon die Kleinsten können im Alltag viel selbst machen und ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Dafür brauchen sie kindgerechte Lebensbereiche. Das kannst du ganz leicht selber machen:

  • Höhe: Zähneputzen, Kochen oder Helfen beim Blumengießen – Montessori-Kinder können überall dabei sein. Damit das selbstständig gelingt, brauchen sie Höhen-Hilfsmittel. Ein Allrounder sind leichte Hocker mit rutschfesten Füßen. Sie kann dein Kind überall mit hinnehmen, sich draufstellen und so auf einem Niveau mit Erwachsenen sein. In der Küche verleiht ein Lernturm schon Ein- bis Zweijährigen einen guten Ausblick und freie Hände zum Mithelfen.
  • Aufbewahrung: Ideal sind niedrige, tiefe Regale, in denen das Kind die Gegenstände selbst erreicht. So braucht es keine Erwachsenen zur Hilfe und kann sich das Spielzeug nehmen, das es möchte.
  • Garderobe: Schon die Kleinsten lieben es, sich ihre Anziehsachen selbst auszusuchen. Damit das gelingt, bringe Garderobenhaken niedrig an und verstaue Kleidungsstücke in den unteren Regalböden oder Schubladen.
  • Bett: Gut zur Montessori-Pädagogik passen niedrige Betten, in die das Kind selbst ein- und aussteigen kann. Die Kanten sollten abgerundet sein und eine seitliche Erhöhung schützt vor dem Rausfallen.
Bild: Pexels

Montessori-Spielzeug ist minimalistisch-kreativ

Weniger ist mehr – dieser Grundsatz gilt auch bei Montessori-Spielzeug. Minimalistisch-kreative Designs regen dein Kind dazu an, seine eigenen Ideen einzubringen. Durch verschiedene Texturen, Formen, Farben und Materialien werden unterschiedliche Sinne angesprochen. Dies ermöglicht es Kindern, die Welt um sich herum durch Sehen, Hören und Fühlen zu erkunden. Zudem ist Montessori-Spielzeug oft schlicht und minimalistisch gestaltet. Das unterstützt die Konzentration auf das Wesentliche. Gleichzeitig ermutigt es die Kinder damit zum offenen Spiel. Grobe Figuren aus Holz sind vielseiter einsetzbar als filigran geformte Puppen mit konkreten Gesichtszügen oder Markenlogos. Ob Stapelturm, Sortierbrett oder Puzzle – Montessori-Spielzeug ist so konzipiert, dass Kinder ihre eigenen Fehler erkennen und selbst korrigieren können. Dies fördert das eigenständige Lernen. Einen Ein- oder Ausschalter, Bedienungsanleitungen oder Ladekabel suchst du hier vergebens. Denn: Die meisten Montessori-Spielsachen sind so gestaltet, dass Kinder sie alleine nutzen können.

Bild: Pexels

Unsere besten DIY-Spielzeug-Ideen

Spielzeug nach Maria Montessori kannst du im gut sortierten Fachhandel kaufen. Einige Ideen lassen sich aber auch ganz einfach selbst umsetzen:

  • Fühlkisten: Dafür füllst du einen Korb, einen Karton oder eine Schüssel mit unterschiedlichsten Materialien. Gut eignen sich zum Beispiel ein dünnes Tuch, glatte Bälle oder Kastanien, Muscheln, Federn – aber auch knisterndes Backpapier oder ein noppiger Trocknerball. Die verschiedenen Oberflächen und Formen regen den Tastsinn an und laden zum genauen Untersuchen und Fühlen ein.
  • Geräuschedosen: Wie klingen Erbsen oder Nudeln? Geräuschedosen verraten es deinem Kind. Dafür eignen sich Dosen von Brausetabletten oder Trinkjoghurts. Befülle sie und verschließe den Deckel fest. Für ein älteres Kind kannst du ein Dosenmemory machen, indem du zwei Dosen mit den gleichen Gegenständen befüllst. Nun soll es beim Schütteln hören, welche zwei Dosen gleich klingen.
  • Sortierschüsseln: Viele Kinder lieben es, stundenlang mit Löffeln oder Schaufeln Sand hin- und her zu schütten. Damit fördern sie ganz nebenbei ihre Hand-Augen-Koordination und trainieren ihre Ausdauer. Für drinnen gibst du Körner oder Erbsen in eine Schüssel und bietest deinem Kind verschiedene Portionierer wie Löffel, Tassen oder Kochlöffel an.
  • Zuordnungsspiele: Habt ihr Tierfiguren zuhause? Ansonsten kannst du sie auch einfach aus Salzteig herstellen (2 Tassen Mehl, 1 Teelöffel Öl, 1 Tasse Salz, 1 Tasse Wasser – vermischen, Figuren ausstechen und bei etwa 140 Grad eine gute Stunde trocknen lassen). Drucke dir dann aus dem Internet Fotos von echten Tieren aus – zum Beispiel einen Fuchs aus dieser kostenlosen Bilddatenbank. Nun ordnet dein Kind die Tierfiguren den Tierfotos zu.

Du siehst: Bei diesem Konzept kann dein Kind zeigen, was in ihm steckt. Montessori setzt nicht auf das passive Bespaßen, sondern das aktive Erleben. Schon die Kleinsten genießen es, sich ohne Pause im Spiel zu verlieren und Neues auszuprobieren.

Bild Aufmacher: freepik

ÜBER Kirsten Hemmerde

Kirsten kennt als Mama von zwei Jungs sowohl die schönen als auch die chaotischen Seiten des Familienlebens. Die gelernte Journalistin wohnt mit ihrer Familie im Ruhrgebiet, urlaubt gerne in Holland und genießt es, mit ihren Kindern in die bunte Welt aus Bausteinen, Büchern und Basteleien einzutauchen.

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