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Das Super-Food für Babys – Fakten über Muttermilch

Text: Kirsten Hemmerde
Stillen gilt als die beste Ernährung für dein Baby. Doch was ist in der Muttermilch drin und was macht sie so wertvoll? Wir fassen die wichtigsten – und erstaunlichsten – Punkte zusammen.

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, kann es eines meist sofort: Mamas Brust finden und kräftig lossaugen. Mehrere Monate lang versorgt Muttermilch dein Baby mit allem, was es braucht. Damit ist sie ein wahrer Alleskönner und ein echtes Super-Food. Dr. Heidrun Thaiss ist Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und bringt die Vorteile auf den Punkt: „Muttermilch enthält besondere Abwehr- und Schutzstoffe, die ein Kind vor Krankheiten schützen kann und sie verhindert auch, dass das Baby überernährt wird. Sie ist zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar, hat immer die richtige Temperatur, ist hygienisch einwandfrei – und dabei kostenlos.“

Was ist in der Muttermilch enthalten?

Muttermilch steckt voller Nährstoffe. Kohlenhydrate, Proteine, Fette und Wasser versorgen dein Baby mit Flüssigkeit und machen es satt. Die Proteine unterstützen zudem das Wachstum deines Kindes und sein Immunsystem. Enzyme sorgen für eine gute Verdauung deines Babys. Zudem sind Vitamine und Nährstoffe enthalten, die das Wachstum von Organen, Zähnen und Knochen fördern. Antikörper schützen dein Baby vor Erkrankungen. Komplexe Zuckermoleküle der Muttermilch sind wichtig für die Darmflora. Langkettige Fettsäuren sorgen für eine gute Entwicklung des Nervensystems. Die Forschung entdeckt laufend weitere wertvolle Inhaltsstoffe in der Muttermilch. Allein die Zahlen sind beeindruckend: Bislang wurden über 1.000 Proteine, mehr als 200 Zuckermoleküle, rund 40 Enzyme und zahlreiche Hormone ermittelt, die dein Baby über die Muttermilch erhält.

Vom Neugeborenen bis zum großen Säugling: Die Muttermilch entwickelt sich mit

Genauso wie dein Baby entwickelt sich auch deine Muttermilch weiter. Kurz nach der Geburt besteht sie aus Kolostrum, der Vormilch. Sie enthält besonders viele Vitamine, Mineral- und Abwehrstoffe sowie Eiweiß und ist besonders wichtig für das Immun- und Verdauungssystem des Neugeborenen. Die Mengen sind winzig, oft nur 50 Milliliter in 24 Stunden. Meist zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt entsteht die Übergangsmilch. Sie ist cremiger als das zuvor gelblich-orangene dickflüssige Kolostrum und enthält auch mehr Kalorien, Fett und Laktose. Denn dein Neugeborenes wächst schnell und hat nun auch deutlich mehr Appetit. Daher steigt die Milchmenge nun auch sprunghaft an. Wenn dein Baby rund zwei Wochen alt ist, stellt sich die Brust auf reife Muttermilch um. Sie besitzt besonders viel Eiweiß und einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Folsäure.

Vorder- und Hintermilch: Muttermilch ist Trinken und Essen zugleich

Für dein Baby ist Muttermilch wie für uns eine komplette Mahlzeit inklusive Trinken. Zu Beginn einer Stillmahlzeit hat die Milch einen eher wässrigen Eindruck. Das ist die Vordermilch. Sie löscht den Durst. Nach und nach steigt der Fettgehalt der Milch. Diese Milch nennt sich Hintermilch und ist besonders sättigend. Diese zwei Phasen kannst du besonders gut sehen, wenn du Milch abpumpst. In dem Gefäß setzen sich beide Flüssigkeiten ab. Daher sollte man abgepumpte Milch vor dem Füttern vorsichtig schütteln, damit sich Vorder- und Hintermilch gut vermischen.

Abgepumte Muttermilch kann sehr gut aufbewahrt werden. | Bild: Getty

Ein Alleskönner bei Krankheiten

Schon lange ist bekannt, dass Inhaltsstoffe der Muttermilch Babys vor Erkrankungen und Allergien schützen können. Stillkinder haben nachweislich weniger Magenprobleme, Durchfall und Ohrenentzündungen. Wenn dein Baby aber dennoch krank wird, ist die Milch eine wahre Wundermedizin. Denn dann ändert sie ihre Zusammensetzung. Experten haben herausgefunden, dass dein Körper zum Beispiel bei einer Erkältung Körper Antikörper genau gegen diese Krankheit herstellt. Diese Antikörper gehen in die Milch über und helfen deinem Kind, den Infekt zu bekämpfen. Oft machen gestillte Kinder einen rundlichen Eindruck. Hier musst du keine Sorge haben – beim Stillen kann es nicht zu einer Überfütterung kommen.

Naturprodukt mit langer Haltbarkeit

Viele Mütter pumpen zwischendurch etwas Milch ab. Richtig gelagert, hat sie eine lange Haltbarkeit. Bei Raumtemperatur kann Muttermilch noch vier Stunden lang verfüttert werden. Wird sie im Kühlschrank gelagert, hält sie sich rund drei Tage. Im Gefrierschrank bei minus 18 Grad kann sie noch ein halbes Jahr wieder verwendet werden. Dabei sollte eingefrorene Milch im Kühlschrank aufgetaut werden.

Medizin und Badezusatz: Andere Einsatzmöglichkeiten für Muttermilch

Du produzierst zu viel Milch? Oder hast eine Stillmahlzeit abgepumpt und diese dann doch nicht verfüttert? Kein Problem. Denn Muttermilch lässt sich prima noch für viele weitere Zwecke einsetzen. So ist sie ein wunderbarer Zusatz beim Baden. Einfach drei bis vier Esslöffel plus einen Schuss Olivenöl ins Wasser geben. Bei einem wunden Po oder bei Mückenstichen kann es helfen, die Stellen mit ein paar Tropfen Muttermilch zu beträufeln. Auch als Nasentropfen bei Schnupfen hat sich die Milch bewährt – sie kann die Nase von befreien und die Schleimhäute abschwellen lassen. Wenn du vom Stillen wunde Brustwarzen hast, lass nach der Mahlzeit deines Babys einfach ein paar Tropfen auf den Brüsten. So wird deine Haut beruhigt und gepflegt.

Bild: Getty

Stillen während Corona? Na klar!

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in der Coronazeit eine ganz klare Empfehlung: Aufgrund der zahlreichen Vorteile von Muttermilch sollte, wann immer möglich, gestillt werden. Die Experten sagen: „Angesichts des Schutzes, den Muttermilch und Stillen dem Baby bieten, und der minimalen Rolle, die sie bei der Übertragung von Atemwegsviren spielen, erscheint es sinnvoll, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um das Stillen gerade jetzt zu fördern, zu schützen und zu unterstützen.“ Bislang waren demnach Muttermilchproben von Covid-19-infizierten Müttern Corona-frei. Nach derzeitigem Kenntnisstand wird das Virus also nicht durch die Milch übertragen. Gleichzeitig gibt es jedoch Hinweise darauf, dass Stillen vor der Infizierung schützen kann. Auch wenn die Mutter Corona-positiv ist, kann und soll sie laut WHO stillen. Dabei gilt es, besondere Hygienemaßnahmen zu beachten. Zudem sollte ein Mundschutz getragen werden, da sich Coronaviren besonders häufig über Tröpfchen weiterverbreiten.

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