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Finanzbildung für Kinder in 7 Schritten

Text: Kirsten Hemmerde
Den Umgang mit Geld zu lernen, ist wichtig für die Zukunft und Unabhängigkeit deines Kindes. Erfahre hier, wann und wie du am besten mit der Finanzbildung starten kannst.

Über Geld spricht man nicht? Doch, das sollten wir! Denn nur so lernen Kinder den richtigen Umgang mit Geld. In der Schule oder der Kita steht das nicht auf dem Stundenplan. Daher liegt es an den Eltern, hier ein Vorbild zu sein. Finanzbildung beginnt früh und ist elementar für das ganze Leben. Dabei muss das nicht zwanghaft sparsam oder verkrampft ablaufen. Finanzbildung kann Spaß machen und ganz leicht ein normaler Bestandteil eures Familienalltags werden.

Schritt 1: Das richtige Alter, um mit der Finanzbildung zu starten

… ist genau jetzt! Denn Kinder lernen durch Nachahmen. Schon wenn du mit deinem Kleinkind einkaufen gehst, merkt es, dass du Geld bezahlst und dafür Waren oder etwas anderes bekommst.  Je früher Kinder den Umgang mit Geld üben, desto natürlicher wird es für sie. Finanzbildung in jungen Jahren ermöglicht es Kindern, gute finanzielle Gewohnheiten zu entwickeln. Gehe dabei altersgerecht vor. Kleinkinder verstehen es eher, wenn mit Bargeld bezahlt wird. Kitakindern kannst du auch schon erklären, wo das Geld im Bankautomat herkommt und dass es dort nicht unendlich fließt. Wenn es um konkrete Werte geht, ist etwa fünf Jahre ein gutes Alter. Dann haben die meisten Kinder ein grundlegendes Verständnis für Zahlen entwickelt und können erste Konzepte im Zusammenhang mit Geld erfassen.

Schritt 2: Füttert das Sparschwein

Schon die Kleinsten verstehen das System des Sparschweins. Sie werfen mit großer Freude Münzen und Scheine hinein. Nach einiger Zeit stellen sie fest, dass dort für sie viel Geld enthalten ist und dass es ausreicht, um sich kleine oder große Wünsche zu erfüllen. Vielleicht darf sich dein Kind eine Spardose in seiner Lieblingsfarbe aussuchen und auf den Schrank stellen? Jedes Mal, wenn es von den Großeltern, bei Geburtstagen oder anderen Gelegenheiten Geld erhält, wandert das in die Dose. Für viele Kinder ist dieses System die erste Erfahrung, die sie mit eigenem Geld machen.

Schritt 3: Taschengeld als wichtiger Baustein der Finanzbildung

Anfangs begreifen Kinder noch nicht wirklich, wie teuer ein neues Bausteine-Set, die heißgewünschte Puppe oder das Paar Markensneaker sind. Hier hilft Taschengeld. Denn mit dem eigenen Geld in der Tasche lernt dein Kind den Wert von Waren zu schätzen. Und überlegt sich, ob es die Zeitschrift wirklich braucht, wenn es dafür drei Wochen sparen muss. Die Experten des Deutschen Jugendinstituts empfehlen in ihrer Taschengeld-Tabelle für unter 6-Jährige 0,50 bis 1 Euro in der Woche, für 8-jährige 2 bis 2,50 Euro. Legt genaue Regeln fest, was von dem Taschengeld bezahlt wird. Und wenn das Budget aufgebraucht ist, sollte möglichst kein Geld nachgeschossen werden. So ist der Lerneffekt am größten. Dein Kind erfährt so die Konsequenzen seines Handelns und lernt, für sich selbst verantwortlich zu sein.

Schritt 4: Vom Aufbau guter Gewohnheiten

Finanzbildung schult auch den Charakter, wenn ganz nebenbei gute und wichtige Gewohnheiten vermittelt werden. Das sind zum Beispiel:

  • Budgetierung: Hilf deinem Kind dabei, ein Budget zu erstellen. Gemeinsam könnt ihr überlegen, wie es das Geld aufteilen möchte, beispielsweise für Spaß, Sparen und langfristige Ziele.
  • Sparziele: Setzt gemeinsam Sparziele, sei es für ein Spielzeug, einen Ausflug oder größere Anschaffungen. So sieht dein Kind, dass es sich lohnt, auf etwas hinzuarbeiten und die Belohnung später zu genießen.
  • Verzicht: Dieses Wort klingt zunächst negativ. Doch es ist in unserer Welt des Überflusses und der permanenten Verfügbarkeit auch eine wichtige Erfahrung, dass man nicht immer alles sofort haben kann.

Schritt 5: Erfahrungen sammeln und Bildungsmöglichkeiten im Alltag nutzen

Den Umgang mit Geld zu lernen, ist keine abstrakte Angelegenheit, die wie Unterricht vermittelt wird. Denn euer Familienalltag bietet zahlreiche Gelegenheiten, damit dein Kind Erfahrungen sammeln kann:

  • Selber einkaufen: Schon Kita-Kinder können kleine Einkäufe selbst tätigen wie zum Beispiel das Brot beim Bäcker zu bezahlen, die Eier auf dem Marktstand zu bestellen oder auch die Rechnung im Restaurant.
  • Preise checken: Kann dein Kind Zahlen lesen, dann kannst du es beim Einkaufen Preise vergleichen lassen. Zeige ihm, wie man einen Einkaufszettel schreibt, teure Lustkäufe vermeidet, preisgünstige Alternativprodukte findet und sein Budget einhält.
  • Finanzielle Entscheidungen treffen: Ein wichtiger Aspekt der Finanzbildung ist es, zwischen Bedürfnissen und Wünschen unterscheiden zu lernen. Dein Kind hat einen Ball kaputt gemacht und muss ihn nun ersetzen? Das ist ein dringendes Bedürfnis, hinter dem die vielleicht schon länger gewünschte Puppe erst einmal zurückstecken muss.
  • Geld ist endlich: Bezahlt dein Kind etwas von seinem Taschengeld, dann erfährt es, dass danach weniger für weitere Wünsche übrig ist. Das ist oft ein Anreiz zum Sparen.

Schritt 6: Über Geld sprechen

Kinder brauchen unser Wissen für ihre Finanzbildung. Sprecht ihr offen und ehrlich über Geldthemen, dann lernt es den Umgang damit als etwas ganz normales und natürliches. Unterhaltet euch zum Beispiel beim Abendessen über den nächsten Urlaub oder andere Anschaffungen. Achtet dabei auch auf die Formulierungen. „Darauf müssen wir noch ein wenig sparen“ klingt besser und ermutigender als „Das können wir uns eh nie leisten“. Durch diese positiven Äußerungen erlebt dein Kind, dass in finanziellen Bereichen vieles möglich ist, wenn man sich Ziele setzt, spart und auch einmal zurücksteckt.

Schritt 7: Vorbild zu sein ist die beste Finanzbildung

Du spielst eine entscheidende Rolle bei der Finanzbildung deines Kindes. Mache dir deine Vorbildfunktion bewusst und dass dein eigenes finanzielles Verhalten einen großen Einfluss auf dein Kind hat. Wenn du zum Beispiel

  • eure Rechnungen pünktlich bezahlst,
  • sparst und kluge Kaufentscheidungen triffst,
  • offen und transparent über Geld, Finanzen und auch Versicherungen sprichst,
  • einen ungezwungenen Umgang mit Geld vorlebst und
  • Fragen zu Geldthemen ehrlich beantwortest,

trägst du durch diese offene Kommunikation entscheidend dazu bei, ein gesundes Verhältnis zum Geld aufzubauen und gute finanzielle Gewohnheiten zu entwickeln.

Bilder: Gettyimages

ÜBER Kirsten Hemmerde

Kirsten kennt als Mama von zwei Jungs sowohl die schönen als auch die chaotischen Seiten des Familienlebens. Die gelernte Journalistin wohnt mit ihrer Familie im Ruhrgebiet, urlaubt gerne in Holland und genießt es, mit ihren Kindern in die bunte Welt aus Bausteinen, Büchern und Basteleien einzutauchen.

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