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Schreibaby – so kannst du dein Kind (und dich) beruhigen

Text: Kirsten Hemmerde
Endlich das eigene Baby im Arm zu halten, das ist der Traum vieler Mütter. Doch wenn das Kind stundenlang schreit und nicht zu beruhigen ist, sind Eltern oft verunsichert. Hier erfährst du, ob du ein Schreibaby hast und was du tun kannst.

Dein Baby kann noch nicht viel, wenn es auf die Welt kommen. Aber das Schreien gehört mit zu den Fähigkeiten, mit dem das Kind bereits ab dem ersten Atemzug ausgestattet ist. Diese lauten Töne sind in den ersten Lebensmonaten das wichtigste Werkzeug, um sich mitzuteilen. Wenn dein Baby hungrig ist, es friert, sich alleine fühlt oder gelangweilt ist, beschwert es sich lautstark. Doch mitunter nimmt das Schreien gar kein Ende. Gefühlt stundenlang zieht sich dann das Weinen durch den Tag – und oft auch durch die Nacht. Viele Eltern fragen sich, was ihr Kind hat und wie sie es beruhigen können. Sie machen sich Sorgen, dass sie vielleicht auch etwas falsch machen. Für viele frisch gebackene Mütter und Väter ist das eine echte Herausforderung. Schnell steht dann die Frage im Raum: Habe ich ein Schreibaby?

Wie viel Schreien ist normal?

Zunächst einmal: Schreien ist völlig normal. Wie so oft, kommt es auf die Menge an. Neugeborene schlafen meist noch sehr viel. Bis zur sechsten Lebenswoche schreien sie durchschnittlich anderthalb Stunden pro Tag. Ab der sechsten Lebenswoche fangen viele Babys an, den Rhythmus zwischen Wach- und Schlafphasen zu lernen. Das wird meist von starker Unruhe begleitet – im Schnitt gibt es hier 2,5 Stunden Schreien pro Tag. Danach werden die Schreiperioden kürzer. Meist sind sie nach drei Monaten fast ganz verschwunden – hier wird meist noch eine Stunde am Tag geschrien. Wer vermutet, ein Schreibaby zu haben, sollte zunächst einmal ein Tagebuch führen. Darin wird notiert, wann das Kind wie lange unruhig war. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hat dafür die Dreier-Regel: Ihre Experten sprechen von einem Schreibaby, wenn ein Kind über mehr als drei Wochen an mehr als drei Tagen pro Woche über mehr als drei Stunden schreit.

Bild: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Gründe dafür, dass dein Baby schreit

Weint ein Baby, gilt es zunächst einmal, die Gründe abzuklären. Ist das Kind hungrig? Braucht es eine neue Windel? Ist es müde und kann nicht zur Ruhe finden? Viele Babys sind schnell überfordert und reagieren auf zu viele Reize mit Schreien. Vielleicht ist aber auch das Gegenteil der Fall und das Kind möchte Zuwendung oder Anregung erhalten? Wenn diese Gründe ausgeschlossen sind, sollten sich Eltern an den Kinderarzt wenden. Er kann schauen, ob körperliche Ursachen vorliegen. Das können zum Beispiel die sogenannten Dreimonatskoliken sein, bei denen Verdauungsprobleme dem Baby Schmerzen bereiten. Wenn Erkrankungen oder Fehlfunktionen ebenfalls nicht in Frage kommen, kann es sich um ein Schreibaby handeln. Diese Diagnose ist gar nicht so selten. Mindestens zehn Prozent aller Säuglinge – manche Mediziner sprechen sogar von bis zu 25 Prozent – zeigen ein außerordentlich intensives Schreiverhalten, bei dem ihre Eltern sie kaum beruhigen können.

So kannst du ein Baby beruhigen

Es gibt verschiedenste Empfehlungen für den Umgang mit sogenannten Schreibabys. Der wohl wichtigste Tipp lautet: Ruhe bewahren, auch wenn es schwer fällt. Denn die Gefühle von Mama und Papa wirken sich auch auf das Baby aus. Eltern können dann versuchen, ihr schreiendes Kind zu beruhigen – zum Beispiel durch sanftes Schaukeln auf dem Arm, einen Spaziergang an der frischen Luft, eine Bauchmassage oder Singen. Vielen Babys helfen auch eine reizarme Umgebung und ein klar strukturierter Tagesablauf. Denn gerade ein Übermaß an gutgemeinter Ablenkung kann das Kind noch mehr stressen. Meist hilft das gelassene Ausprobieren, um herauszufinden, was dem Baby guttut. „Grundsätzlich haben alle Eltern intuitive elterliche Kompetenzen. Sie tun also meistens das Richtige. Wenn das Kind aber dennoch ständig und exzessiv schreit und sich nicht beruhigen lässt, sollten die Ursachen abgeklärt werden“, sagt Dörte Mund. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit der Zusatzqualifikation als Eltern-Säuglings-Kleinkind-Psychotherapeutin arbeitet in der Schreiambulanz am Universitätsklinikum Jena.

Hole dir Unterstützung von Experten

Schreiambulanzen sind eine Möglichkeit, um Unterstützung im Umgang mit Schreibabys zu erhalten. Wenn du merkst, dass das Schreien dich, deinen Partner oder dein Baby sehr belastet, steht dir ein großes Netzwerk zur Verfügung. Deutschlandweit gibt es neben den Schreiambulanzen auch Familienberatungsstellen, in denen Experten sitzen. Du findest die Kontaktdaten im Netzwerk Schreibabys  oder auch auf der Seite des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bei den Fachärzten wird in der Regel eine Überweisung deines Kinderarztes benötigt. Dörte Mund hilft den Eltern, indem sie in etwa sechs bis acht Sitzungen Strategien zum Umgang mit ihrem Baby entwickelt. „Meist hat sich die Symptomatik noch nicht über einen längeren Zeitraum manifestiert, so dass mit relativ wenigen Behandlungsterminen eine Besserung erreicht werden kann. Oft ist der wöchentliche Termin schon eine erste Entlastung für die Eltern“, weiß Dörte Mund. Wichtig ist ihr vor allem, Eltern klar zu zeigen: Sie sind nicht allein.

Bildquellen:
Baby Betruebt: Pixabay
Katie Smith: Katie Smith /Unsplash.

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