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Folsäure – darum ist sie vor, während und nach der Schwangerschaft so wichtig

Text: Kirsten Hemmerde
Du bist schwanger oder planst, ein Kind zu bekommen? Schon bei Kinderwunsch solltest du deinen Körper mit einer Extra-Portion Folsäure versorgen. Denn dieses B-Vitamin ist bereits in der Frühphase der Schwangerschaft wichtig für die frühzeitige gesunde Entwicklung deines Babys. Lies hier, wie du den zusätzlichen Bedarf decken kannst.

In der Schwangerschaft braucht dein Körper mehr von vielen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Eine besonders Rolle spielt dabei Folsäure. Sie sorgt dafür, dass die Zellteilung gut funktioniert. Da mit Beginn der Eizellen-Befruchtung beim Embryo auch die Zellteilung startet, ist es wichtig, dass bereits dann genügend Folsäure im Körper der Mutter gespeichert ist. „Eine Unterversorgung der Schwangeren in dieser Zeit mit dem B-Vitamin Folat kann nicht nur das Risiko für Neuralrohrdefekte, sondern auch das für angeborene Herzfehler erhöhen“, so Professorin Dr. Rima Obeid von der Universität des Saarlandes und Beisitzerin im Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit. Der erhöhte Bedarf kann kaum über die Ernährung gedeckt werden. Folsäure-Präparate aus der Apotheke oder der Drogerie können daher eine gute, sichere und einfache Möglichkeit sein, um dein Kind vor Fehlbildungen zu schützen.

Was ist Folsäure?

Folsäure ist die industriell hergestellte Variante des Vitamins B9, das auch als Folat bezeichnet wird. Das natürliche Folat kommt in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln vor. Da unser Körper es nicht selbst bilden kann, müssen wir Folat über die Nahrung aufnehmen. Die meisten Menschen sind ausreichend mit Folat versorgt. Weil jedoch schon von Beginn der Schwangerschaft an ein erhöhter Bedarf an diesem Vitamin besteht, wird Frauen mit Kinderwunsch und Schwangeren empfohlen, Folsäure als Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. Es gibt Präparate, die nur Folsäure enthalten und auch Kombinationspräparate. Hier beinhalten die Tabletten zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren, Magnesium oder auch Jod und Eisen.

Darum braucht dein Körper Folsäure

Unser Körper benötigt Folat, damit die Zellteilungs- und Wachstumsprozesse gut funktionieren. So ist das Vitamin zum Beispiel für die Bildung von roten und weißen Blutkörperchen wichtig. Ein Mangel an Folsäure kann bei Menschen unter anderem Blutarmut verursachen. Schwer wiegen die Folgen bei ungeborenen Kindern. Denn hier kann eine Unterversorgung an Folsäure schon im sensiblen Stadium der Frühschwangerschaft die Zellteilungsprozesse massiv stören. So besteht die Gefahr, dass das Nervensystem nicht richtig ausgebildet wird. Kinder leiden dann an Spina bifida, einem offenen Rücken. Rund 800 Kinder kommen jährlich in Deutschland mit diesem sogenannten Neuralrohrdefekt zur Welt. Auch das Risiko für Frühgeburten, Herzfehler, ein geringes Geburtsgewicht und eine Wachstumsverzögerung steigt.

Schon bei Kinderwunsch an die optimale Versorgung denken

Unser Körper ist in der Lage, Folat zu speichern. Daher können Frauen mit Kinderwunsch vorsorgen, so Prof. Dr. Obeid: „Um ausreichende und präventiv wirksame Folatspeicher im Körper zu erreichen, sollten Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, mindestens vier Wochen vor einer Schwangerschaft mit der Supplementation beginnen und diese mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortführen.“ Diese Mengen empfehlen Experten:

  • Bei Kinderwunsch: Mindestens vier Wochen vor der Schwangerschaft sollten zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag aufgenommen werden. Startet eine Frau erst erst kurz vor oder bei Schwangerschaftsbeginn mit der Einnahme, raten Experten zu einer Dosierung von 800 Mikrogramm am Tag.
  • In der Schwangerschaft: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE empfiehlt für Schwangere 550 Mikrogramm Folat pro Tag. Dieser Wert liegt fast doppelt so hoch wie außerhalb der Schwangerschaft. Da eine so hohe Dosis rein über die Ernährung kaum möglich ist, können werdende Mütter weiterhin zu Folsäurepräparaten greifen.
  • Während der Stillzeit: Über die Muttermilch versorgst du dein Baby auch mit diesem wertvollen Vitamin B9. Das benötigt dein Kind für seine Zellteilung und gesunde Entwicklung. Hier rät die DGE zu 450 Mikrogramm Folat pro Tag, die die Mutter zu sich nehmen sollte.

Diese Lebensmittel enthalten besonders viel Folat

Auch über die Ernährung kannst du deinen Körper und dein Baby mit viel Folat versorgen. Besonders reich an diesem Vitamin B9 sind

  • Brokkoli
  • Grünkohl
  • Fenchel
  • Tomaten
  • Spargel
  • grünes Blattgemüse wie Spinat oder Salate
  • Hülsenfrüchte
  • Orangen
  • Nüsse
  • Vollkornprodukte
  • Kartoffeln
  • Eier

Damit das Vitamin erhalten bleibt, hilft eine schonende Zubereitung. Gerichte daher lieber dünsten statt kochen und rasch verzehren statt lange warmhalten. Gemüse sollte nur kurz gewaschen und gelagert werden.

Tipps für die Extraportion Folsäure

Rein über die Ernährung ist es oft eine Herausforderung, den erhöhten Bedarf an Folat zu decken. Doch einige Lebensmittel enthalten die industriell hergestellte Folsäure. So kannst du beim Einkaufen eine Extraportion Folsäure in den Einkaufskorb legen. Zum Beispiel gibt es Speisesalze, die mit Folsäure angereichert sind. Einige Salze enthalten darüber hinaus auch Jod oder Fluorid, so dass du auch hier eventuellen Mangelzuständen vorbeugen kannst. Schau auch einmal bei Produkten wie Fruchtsäften, Milchprodukten oder Frühstückszerealien auf das Etikett. Denn einige dieser Lebensmittel werden bei der Herstellung mit zusätzlichen Nährstoffen angereichert – oft ist auch Folsäure dabei und wird dann als Vitamin B 9 bezeichnet.

Was passiert, wenn ich zu viel Folat aufnehme?

Über die normale Ernährung ist es nicht möglich, Folat überzudosieren. Dieses Vitamin kommt natürlich vor, sein Verzehr gilt als gesundheitlich unbedenklich. Du kannst also unbesorgt sein. Vielleicht hilft dir auch dieses Beispiel: So müsstest du 1 Banane, 2 Kiwi, 60 Gramm Mango, 150 Gramm gekochten TK-Grünkohl, 200 Gramm gekochte Kartoffeln, 100 Gramm Feldsalat, 1 rohe rote Gemüsepaprika, 2 Scheiben Vollkorntoast, 1 gekochtes Ei, 3 gehäufte Esslöffel Kräuterquark und 30 Gramm Erdnüsse essen, um ungefähr 550 Mikrogramm von diesem Vitamin an einem Tag zu dir zu nehmen. Etwas anders sieht es bei der industriell hergestellten Folsäure aus. Hier hält die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA 1000 Mikrogramm täglich für tolerabel. Auch das ist immer noch weit entfernt von den 400 bis 600 Milligramm, die in den meisten Präparaten für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch enthalten sind.

 

Bilder: Gettyimages

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