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AMH-Wert: Darum ist das Anti-Müller-Hormon so wichtig bei Kinderwunsch

Text: Kirsten Hemmerde
Beim Kinderwunsch spielen verschiedenste Faktoren eine Rolle. Lässt das Wunschkind länger auf sich warten, kommt dem AMH-Wert eine wichtige Funktion zu. Hier haben wir alle wichtigen Informationen über dieses Hormon für dich zusammengestellt.

Es ist ein Wunder, wenn neues Leben entsteht. Denn damit aus Eizelle und Spermium ein kleiner Mensch wird, müssen viele Faktoren zusammenkommen. Der richtige Zeitpunkt spielt ebenso eine Rolle wie die gesundheitliche Verfassung – und ein Meer aus Hormonen. Denn die Botenstoffe steuern verschiedenste körperliche Prozesse. Für die Fruchtbarkeit von Bedeutung sind vor allem die Hormone FSH, LH, Progesteron, Estradiol, Prolaktin und AMH. Vor allem letzterer, der AMH-Wert, ist häufig noch nicht so bekannt. Dabei steht das sogenannte Anti-Müller-Hormon für eine sehr relevante Kennzahl: die Eizellreserve. Das Anti-Müller-Hormon gibt also Auskunft über die Zahl der Eizellen, die im Körper noch zur Verfügung stehen. Damit kann abgeschätzt werden, ob und wenn ja welche medizinische Unterstützung notwendig ist, um schwanger werden zu können.

Was ist das Anti-Müller-Hormon?

Der AMH-Wert verdankt den Namen seinem Entdecker, dem deutschen Anatom Johannes Peter Müller. Das Anti-Müller-Hormon wird von heranreifenden Eizellen im Körper einer Frau produziert. Genauer gesagt, stellen es die Zellen in den Follikeln der Eierstöcke her. Daher ist der AMH-Wert im Blut höher, je mehr heranreifungsfähige Eizellen es gibt. Das macht dieses Hormon zu einem wichtigen Biomarker beim Thema Fruchtbarkeit. Denn ein hoher AMH-Wert deutet darauf hin, dass ausreichend Eizellen vorhanden sind. Hier sprechen Fachleute auch von der ovariellen Reserve oder eben Eizellreserve. Ein Mädchen wird bereits mit ein bis zwei Millionen Eizellen geboren. Diese Zahl sinkt, bei der ersten Periode sind noch ungefähr 400.000 dieser Follikel übrig. Bei jedem Zyklus werden mehrere hundert davon verbraucht: Sie reifen heran, allerdings gelangt meist nur eine von ihnen zum Eisprung. Sind nahezu keine Eizellen mehr vorhanden und die AMH-Konzentration besonders niedrig, beginnt meist nach fünf bis zehn Jahren die Menopause.

Welchen AMH-Wert haben Frauen in welchem Alter?

Mit zunehmendem Alter sinkt die Zahl der vorhandenen Eizellen. Da die Konzentration des Anti-Müller-Hormons im Blut mit der Anzahl der reifungsfähigen Eizellen korelliert, verändert sich auch der AMH-Wert. In der Medizin gelten für Frauen diese ungefähren Richtwerte:

  • gesunde Frau mit normaler Fruchtbarkeit: 1 bis 5 Nanogramm AMH/ml
  • mit eingeschränkter Eierstock-Funktion: 0,4 bis 1 Nanogramm AMH/ml
  • in den Wechseljahren: weniger als 0,4 Nanogramm AMH/ml
  • mit Verdacht auf PCO-Syndrom: 5 bis 15 Nanogramm AMH/ml

Der AMH-Wert ist bei Kinderwunsch wichtig, aber auch bei anderen medizinischen Fragen. So kann ein besonders niedriger Wert auf Endometriose hindeuten. Ist der Wert dagegen auffällig hoch, besteht der Verdacht auf das polysystische Ovarsyndrom (PCO). Dabei bilden sich an den Eierstöcken kleine, mit Wasser gefüllte Bläschen. Das kann bei betroffenen Frauen zu unregelmäßigen Perioden, einer männlichen Körperbehaarung und auch zu eingeschränkter Fruchtbarkeit führen. Drüber hinaus dient die AMH-Konzentration auch dazu, um die Wechseljahre einer Frau vorherzusagen.

Anti-Müller-Hormon und Kinderwunschbehandlung

Wenn es für eine Frau schwierig ist, auf natürlichem Wege schwanger zu werden, kann das Anti-Müller-Hormon ein wichtiger Baustein bei der Kinderwunschbehandlung sein. Dafür steht zu Beginn erst einmal die Ursachensuche. Ein bislang unerfüllter Kinderwunsch kann zahlreiche körperliche Gründe haben – zum Beispiel eine Schilddrüsenfehlfunktion, verklebte Eileiter oder eben auch auffällige Hormonwerte. Bei den Hormonen kann eine leicht durchzuführende Blutuntersuchung Aufschluss geben. Stellt sich dabei heraus, dass der AMH-Wert zu niedrig ist, werden im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung meist höhere Dosen an Hormonen wie FSH verabreicht. Diese Hormongabe soll dann dafür sorgen, dass genügend Eizellen heranreifen. Der Anti-Müller-Hormon-Wert kann auch zur Kontrolle genutzt werden, um eine Überstimulation mit Medikamenten zu verhindern oder rechtzeitig zu erkennen.

Wie wird meine Eizellreserve gemessen?

Im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung kann es wichtig sein, die Eizellreserve zu kennen. Denn mit diesem Wert der noch vorhandenen Eizellen ist es möglich, Erfolgsaussichten besser beurteilen zu können. Um diese sogenannte ovarielle Reserve zu ermitteln, gehen Mediziner meist so vor:

  • Analyse des Anti-Müller-Hormons: Dieser Wert kann an einem beliebigen Tag während des Monatsyklus gemessen werden, da er kaum schwankt.
  • Ultraschalluntersuchung: Mittels vaginalem Ultraschall schaut der Arzt, wie viele Follikel sich in den beiden Eierstöcken befinden und heranreifen. Zusammen weniger als zehn Follikel deuten auf eine niedrige ovarielle Reserve hin. Zwischen zehn und 20 gelten als normaler Wert. Bei über 20 Follikeln gehen Experten von einer hohen ovariellen Reserve aus.
  • Weitere Hormonbestimmungen: Diese Analyse der Hormone FSH und Estradiol geschieht zwischen dem zweiten und fünften Tag des Zyklus. Liegt der FSH-Wert über 10 UI/ml und der Estradiol-Wert über 60 pg/ml, sind das ebenfalls Anzeichen für eine niedrige ovarielle Reserve

Viele Medizinier kombinieren diese Werte, um zu einem möglichst aussagekräftigen Ergebnis zu gelangen. Diese Untersuchungen können Frauenärzte durchführen, aber auch spezialisierte Ärzte in Kinderwunschzentren.

Ist es möglich, den AMH-Wert zu erhöhen?

Die Zahl der Eizellen ist von Geburt an festgelegt. Sie kann daher nicht gesteigert werden. Allerdings sorgt eine gesunde Lebensweise dafür, dass monatlich weniger Eizellen verbraucht werden und die Eizellreserve länger hält. So haben Nichtraucherinnen meist einen höheren AMH-Wert. Das gleiche gilt für Frauen, die nicht mit der Pille verhüten. Wer also mit dem Rauchen aufhört oder das Verhütungsmittel wechselt, kann seinen AMH-Wert steigern. Doch leider gibt es auch Krankheiten oder genetische Veranlagungen, die für einen schnelleren Verbrauch der Eizellreserve sorgen.

Kann ich mit niedrigem AMH-Wert trotzdem schwanger werden?

Es ist möglich, trotz niedrigem AMH-Wert schwanger zu werden. Denn das Hormon gibt Auskunft über die Zahl der heranreifungsfähigen Eizellen, aber nicht über deren Qualität. Zwar steigern viele Eizellen die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden. Doch wenn die Eizellen schadhaft sind oder weitere Herausforderungen vorliegen, wird eine Schwangerschaft erschwert. Da kann es schon vielversprechender sein, zwar weniger, aber dafür qualitativ gute Eizellen zu besitzen. Das gilt vor allem für junge Frauen. Denn ihre Eizellen sind ebenfalls jünger als bei älteren Frauen und weisen daher meist eine bessere Qualität auf. Um die Chancen für eine Schwangerschaft zu beurteilen, müssen verschiedenste Faktoren herangezogen werden. Das Alter der Frau, weitere Hormonwerte und die Spermienqualität des Partners sind ebenfalls wichtig. Daher sollte eine ärztliche Beratung stets umfassend erfolgen und möglichst viele verschiedene Facetten als eventuelle Ursache in den Blick nehmen.

 

Bilder: Getty

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