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Kinderwunschbehandlung – diese medizinischen Methoden gibt es

Text: Kirsten Hemmerde
Schätzungsweise jedes sechste Paar in Deutschland benötigt medizinische Unterstützung, um sein Wunschkind endlich in den Armen halten zu können. Im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung stehen verschiedenste Methoden zur Verfügung. Ob Hormontherapie, Insemination, In-Vitro-Fertilisation (IVF), Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) oder Kryotransfer: Ausgebildete Fachärzte können in Kinderwunschzentren mit diesen und weiteren Behandlungen vielen Frauen und Männern dabei helfen, Eltern zu werden. In diesem Beitrag erfährst du mehr über die verschiedenen Methoden.

Die Zahl der Kinderwunschbehandlungen in Deutschland nimmt stetig zu. Von 2016 bis 2020 verzeichnete das Deutsche IVF-Register DIR einen Anstieg um zehn Prozent auf über 111.000 Behandlungszyklen. Vielen Paaren können die Mediziner so dabei helfen, ein Kind zu bekommen. So kamen beispielsweise im Jahr 2019 über 21.500 Babys mit Hilfe der Reproduktionsmedizin zur Welt. Insgesamt wurden seit 1997 über 340.000 Kinder nach einer Kinderwunschbehandlung geboren. Schwangerschafts und Geburtenraten hängen natürlich auch vom Alter ab. Ungewollte Kinderlosigkeit ist aber sehr gut behandelbar“, erklärt Dr. med. Ute Czeromin, Vorstandsvorsitzende des D·I·R. Dafür stehen verschiedenste Behandlungsmethoden zur Verfügung. Sie unterscheiden sich vor allem in dem Grad der medizinischen Unterstützung.

Kinderwunschbehandlung: In leichten Fällen hilft Zyklusoptimierung

Zu Beginn einer jeden Kinderwunschbehandlung steht eine gründliche Untersuchung. Spezialisierte Fachärzte in einem Kinderwunschzentrum, einer Klinik oder einer Praxis schauen, wo die Ursache für die bislang ungewollte Kinderlosigkeit liegt. Manchmal reicht es dabei auch schon, den weiblichen Zyklus zu optimieren. Mittels Ultraschall und und Hormonwertbestimmung über Blutentnahme schauen Mediziner, wann der Eisprung einsetzt und der optimale Zeitpunkt für Sex ist. Sie können diesen Prozess mit Hormonen unterstützen. So gibt es Medikamente, die Eizellen besser reifen lassen, den Eisprung auslösen oder die Einnistung der Eizelle fördern. Dabei wird dieser Prozess ärztlich überwacht. Denn die Hormone können dazu führen, dass mehrere Eibläschen heranreifen und so die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft erhöhen.

Am Anfang jeder Kinderwunschbehandlung steht eine ausführliche ärztliche Beratung. | Foto: Getty

Tipp: Eine Zyklusbeobachtung kannst du selbst durchführen. Dabei hilft dir ein Eisprungrechner, deine fruchtbaren Tage zu ermitteln.

Insemination mit Eigen- oder Fremdspermien

Hat der Partner wenige vollbewegliche Spermien oder leidet unter Erektionsproblemen, kann eine Insemination helfen. Dafür filtert ein medizinisches Labor zunächst die besten Spermien aus der Samenprobe heraus. Dann führt der Arzt diese Spermien über einen dünnen Schlauch direkt in die Gebärmutter ein. Der ideale Tag für diesen Transfer ist der Eisprung. Um diesen Zeitpunkt zu ermitteln, nutzen Mediziner Ultraschall und Hormonanalyse. Allerdings kann es erforderlich sein, den Hormonwerten und der Eizellreifung auf die Sprünge zu helfen. In diesem Fall erhält die Frau unterstützende hormonelle Medikamente. Möglicherweise stellt sich im Rahmen der Kinderwunschbehandlung heraus, dass der Samen des Partners zu wenige geeignete Spermien enthält. Dann besteht für verheiratete Paare die Option, auf Spendersamen zurückzugreifen. Die Chance auf eine Schwangerschaft liegt bei der Insemination in Kombination mit einer Hormonbehandlung bei rund zehn bis 15 Prozent pro Zyklus.

In-vitro-Fertilisation (IVF): Kinderwunschbehandlung mit künstliche Befruchtung

Von künstlicher Befruchtung im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung sprechen Fachleute, wenn die Verschmelzung von Eizelle und Samen außerhalb des weiblichen Körpers erfolgt. Das ist bei der In-Vitro-Fertilisation der Fall. Zunächst regt eine Hormonbehandlung bei der Frau die Eizellreifung an. Anschließend werden die reifen Eizellen entnommen. In einem Reagenzglas treffen sie dann auf die Spermien. Die Spermazellen bewegen sich selbstständig, dringen in die Eizellen ein und verschmelzen mit ihnen. Laborpersonal überwacht diesen Prozess. Anschließend werden ein bis drei erfolgreich befruchtete Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt. Diesen Einnistungsprozess unterstützen Hormongaben. Lies mehr dazu in unserem ausführlichen Beitrag zur In-vitro-Fertilisation.

Welche Behandlung für euch in Frage kommt, ist ganz individuell. Foto: Getty

ICSI – ausgewählte Spermien werden eingesetzt

Die Intracytoplasmatische Spermieninjektion ICSI ist mit Abstand die am häufigsten angewandte Methode im Rahmen der künstlichen Befruchtung. Sie kommt in rund 40 Prozent aller Behandlungen zum Einsatz. Diese Form der Kinderwunschbehandlung kann beispielsweise helfen, wenn der Partner eine stark eingeschränkte Zeugungsfähigkeit hat. Denn hier werden die verwendeten Spermien sorgfältig ausgesucht. Ähnlich wie bei der In-Vitro-Fertilisation unterzieht sich die Frau zunächst einer Hormon-Stimulation. Danach werden ihr Eizellen entnommen. Aus dem Samen des Mannes wählt das Laborpersonal gezielt besonders kräftige und gut geeignete Spermien aus. Jeweils ein Spermium wird in eine Eizelle injiziert. Die auf diesem Weg befruchteten Eizellen werden für wenige Tage in einem Brutschrank aufbewahrt. Entwickeln sie sich gut, werden ein bis drei von ihnen in die Gebärmutter eingesetzt.

Weitere Verfahren in der Kinderwunschbehandlung

Die Reproduktionsmedizin hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Heute gibt es zahlreiche weitere Methoden, die nicht so bekannt sind, aber in vielen Fällen auf dem Weg zum Wunschkind helfen können:

  • Kryotransfer: Oft entstehen im Rahmen einer IVF- oder ICSI-Hormonbehandlung mehrere Eizellen. Wieder eingesetzt werden dürfen pro Behandlungszyklus aber maximal drei von ihnen. Die übrigen kann ein spezialisiertes Labor einfrieren. So stehen die Eizellen im nächsten Behandlungszyklus oder auch nach Jahren beim Kinderwunsch für das Geschwisterkind zur Verfügung. Werden eingefrorene Eizellen aufgetaut und in die Gebärmutter eingesetzt, spricht man von einem Kryotransfer.
  • TESE: Im Ejakulat einiger Männer sind keine Spermien vorhanden. Die testikuläre Spermienextraktion kann in solchen Fällen versuchen, direkt aus dem Hodengewebe Spermien zu gewinnen.
  • In-Vitro-Maturation: Bei dieses noch relativ jungen Verfahren werden unreife Eizellen entnommen. Sie reifen in einem Reagenzglas weiter und werden dabei durch Hormone unterstützt. Anschließend erfolgt die künstliche Befruchtung mittels ICSI, indem ein Spermium in die Eizelle injiziert wird. Nach erfolgreicher Befruchtung können die Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Kosten und Erfolgsaussichten

Die Kosten einer Kinderwunschbehandlung unterscheiden sich unter anderem je nach Methode und benötigter hormoneller Unterstützung. Von einigen hundert Euro bis hin zu mehreren tausend Euro reicht die Spannbreite. Gesetzliche Krankenkassen tragen bei einigen Verfahren mindestens die Hälfte der Kosten, wenn das Paar bestimmte Bedingungen wie Alter oder Ehestand erfüllt. Zudem gibt es in einigen Bundesländern auch eigene Förderprogramme für Kinderwunschbehandlungen. Hier lohnt sich vorab eine ausführliche Recherche. Laut Deutschem IVF-Register DIR braucht es durchschnittlich vier Behandlungen, bis zwei von drei Patientinnen schwanger sind. Paare sollten mit einer Behandlung nicht zu lange warten. Denn das Alter spielt eine entscheidende Rolle beim Behandlungserfolg betroffener Frauen: „Während die 35jährigen einen Schwangerschaftsrate von 38,8 Prozent und eine Geburtenrate von 30 Prozent haben, sinkt sie bei Frauen ab 40 Jahren deutlich. Die Schwangerschaftsrate liegt dann bei 18,9 Prozent und die der Geburten bei 10,6 Prozent“, gibt DIR-Vorstandsvorsitzende Dr. Czeromin einen Einblick. 

 

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