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Endometriose – Symptome, Ursachen und Behandlung

Text: Kirsten Hemmerde
Endometriose zählt zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Trotzdem dauert es oft lange, bis Betroffene die richtige Diagnose erhalten. Dabei gibt es zahlreiche Symptome und Auffälligkeiten, die auf diese mitunter schmerzhaften Gewebe-Fehlbildungen hindeuten. Hier erfährst du mehr über Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Kinderwunsch.

Rund zwei Millionen Frauen leiden in Deutschland unter Endometriose. Bei dieser Krankheit wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe dort, wo es eigentlich nicht hingehört: Außerhalb der Gebärmutterhöhle, beispielsweise an den Eierstöcken, im Darm, im Bauch oder Becken. Diese sogenannten Herde verursachen Schmerzen. Und sind nicht selten für einen langen Leidensweg verantwortlich. Denn da sie sich an verschiedenen Stellen im Körper befinden, können sie viele unterschiedliche Symptome auslösen. Das macht ein Erkennen schwierig. Laut Endometriose-Vereinigung Deutschland vergehen rund zehn Jahre, bis die Diagnose feststeht. Vielen Betroffenen wurde immer wieder gesagt, sie sollen sich zusammenreißen. Ihre starken Unterleibsschmerzen seien ganz normale Regelschmerzen, sie sollten doch einfach Schmerzmittel nehmen. Doch starke Regelschmerzen sind nicht normal“, so Anja Moritz, Geschäftsführerin des Vereins. 

Das sind die Ursachen von Endometriose

Bei dieser Krankheit verteilen sich Zellverbände der Gebärmutterschleimhaut im Körper. Dort bilden sie Zysten oder Entzündungen, die Probleme verursachen können. Diese Stellen heißen Endometriose-Herde. Da das Gewebe dieser Herde dem der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist, kann es zyklusbedingt wachsen und damit stärker schmerzen. Ebenso können Blutungen auftreten, wenn das Gewebe während der Menstruation wieder abgestoßen wird. Da diese Zellreste nicht mit der normalen Monatsblutung über die Scheide den Körper verlassen, verbleiben sie im Inneren. Manche Herde kann der Körper selbst abbauen. Oft jedoch führen diese Gewebereste und Blutungen zu Entzündungen, Verletzungen und Verwachsungen zum Beispiel mit angrenzenden Organen. Im Laufe der Erkrankung wachsen viele dieser Herde, beeinträchtigen verschiedene Regionen im Körper und wirken sich auch auf die Hormone und das Immunsystem aus. Daher sprechen Experten hier auch von einer chronischen Krankheit.

So in etwa sehen die Endometriose-Herde in der Gebärmutter aus | Bild: Getty

 

Verschiedene Symptome dieser Krankheit mit tausend Gesichtern

Endometriose gilt als Chamäleon unter den Krankheiten. Denn da ihre Herde in unterschiedlichen Körperregionen auftreten können, sind die Auswirkungen ebenso vielseitig. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • starke Regelschmerzen
  • Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang
  • häufige Unterleibsschmerzen
  • Schmerzen beim Sex
  • besonders starke und auch unregelmäßige Monatsblutungen
  • Blutungen aus Blase oder Darm, die mit dem Zyklus zusammenhängen
  • starke Erschöpfung und Müdigkeit

Ebenso gibt es auch Betroffene, die gar keine Symptome verspüren. Häufig wird bei ihnen die Krankheit erst festgestellt, wenn sie ungewollt kinderlos bleiben. Das trifft auf schätzungsweise jede zweite Frau zu, die Probleme hat, schwanger zu werden. Schmerzen und Ungewissheit führen zudem oft auch zu einer psychischen Belastung.

So läuft die Diagnose

Am Anfang der Diagnose steht das Gespräch mit Frauenarzt oder -ärztin. Ihnen schildern Betroffene ihre Beschwerden. Dabei ist es besonders hilfreich, wenn es ein Schmerztagebuch gibt. Denn daraus ist ersichtlich, in welchem Rhythmus und an welchen Stellen die Schmerzen auftreten. Nach dieser Befragung – die auch Anamnese genannt wird – können folgende Untersuchungen weiteren Aufschluss darüber geben, ob eine Endometriose vorliegt:

  • Tastuntersuchung: Dabei werden die Scheide und umliegende Bereiche wie Darm, die Region hinter der Gebärmutter und auch die Gebärmutterbänder abgetastet. So können Auffälligkeiten aufgespürt und anschließend weiter untersucht werden.
  • Bildgebende Verfahren: Sie machen Endometriose-Herde oder ihre Auswirkungen sichtbar. So empfiehlt sich Ultraschall, um durch die Scheide oder von der Bauchdecke aus zu untersuchen. Eine Darm- oder Blasenspiegelung gibt Aufschluss darüber, ob hier Herde vorliegen. Wenn der Verdacht besteht, dass weitere Körperregionen betroffen sind, können Kernspin- oder Computertomographie eingesetzt werden.
  • Operation: Eine Gewebeprobe der auffälligen Stelle liefert die sicherste Diagnose, dass es sich tatsächlich um Endometriose handelt. Diese Probe wird meist über eine Bauchspiegelung gewonnen. Bei dieser Untersuchung können Experten auch die genaue Lage und den exakten Typ der Endometrioseherde bestimmen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Endometriose

Endometriose ist eine chronische Krankheit und noch nicht heilbar. Bei vielen Patientinnen klingen die Beschwerden mit den Wechseljahren ab. Doch bis dahin ist es oft eine jahre- oder jahrzehntelange Herausforderung. Da oft mehrere Regionen im Körper betroffen sind, ist es wichtig, dass Ärzte aus verschiedenen Disziplinen gemeinsam an der Behandlung mitarbeiten. Je nach Schweregrad der Entzündungsherde und den damit einhergehenden Auswirkungen kommen unterschiedliche Ansätze in Frage. Besonders häufig werden schmerzlindernde Medikamente eingesetzt. Auch Hormonpräparate wie die Anti-Baby-Pille können helfen. Denn sie senken den Östrogenwert. Da Östrogene im Zyklus die Endometriose-Herde wachsen lassen, wird dieses Wachstum durch Hormonpräparate gehemmt. Wenn die Herde starke Beschwerden verursachen, Organe oder den Kinderwunsch beeinträchtigen, raten Experten oft zu einer Operation. Dabei entfernen sie die im Körper befindlichen Gewebe-Inseln mit Skalpell, Strom oder Laser.

Hilfe im Falle eines Kinderwunsches

Viele Endometriose-Betroffene leiden unter ungewollter Kinderlosigkeit. Oft wird die Krankheit erst entdeckt, wenn eine Frau über längere Zeit nicht spontan schwanger wird und deswegen ärztlichen Rat sucht. Denn die Gewebeinseln können Eileiter oder Eierstöcke verkleben und so eine Schwangerschaft verhindern. In einigen Fällen hilft dann eine Operation. Dabei werden die Endometriose-Herde möglichst komplett entfernt. Viele Frauen entscheiden sich für eine künstliche Befruchtung. Das kommt vor allem dann in Frage, wenn bereits mehrfach operiert wurde oder die Endometriose sehr ausgeprägt ist. 

Egal, welche Beschwerden Endometriose verursacht: Es ist besonders hilfreich, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Das schafft Erleichterung und gibt das Gefühl, nicht alleine zu sein. Die Endometriose-Vereinigung Deutschland hat auf ihrer Seite eine Übersicht über Selbsthilfegruppen in Deutschland zusammengestellt.

 

Bilder: Getty

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