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Hausgeburt – wie bereite ich mich vor? Checkliste zur Vorbereitung

Text: Vanessa Müller
Möchtest du dein Kind in der geborgenen Atmosphäre deiner eigenen vier Wände zur Welt bringen? Dann helfen wir dir dabei, dich bestmöglich auf diesen intimen Moment vorzubereiten, und zeigen dir, worauf du bei einer Hausgeburt achten solltest.

Zuhause in einem vertrauten Umfeld entbinden

Viele Frauen in Deutschland entscheiden sich mittlerweile dazu, ihr Kind in der vertrauten Umgebung des eigenen Zuhauses zu gebären. Die Gründe sich für eine Hausgeburt zu entscheiden, sind meist emotionaler Natur. Denn viele Mütter möchten einen solch intimen Moment nicht in einem Kreissaal erleben. Wenn die Wehen einsetzen, möchten sie von ihrer Familie und der Hebamme umgeben sein.

Voraussetzungen für eine Hausgeburt

Die Voraussetzung für eine Hausgeburt ist, dass du und dein Baby bei bester Gesundheit seid und deine Schwangerschaft problemlos verläuft. In diesem Fall steht einer Hausgeburt nichts im Wege. Das solltest du jedoch zusammen mit einer Ärztin und natürlich deiner Hebamme besprechen und entscheiden. Du solltest auch mindestens eine Ultraschalluntersuchung beim Frauenarzt wahrnehmen, um eine Fehllagerung des Mutterkuchens auszuschließen. Solltest du an Vorerkrankungen wie z.B. Bluthochdruck oder Diabetes leiden oder Komplikationen in deiner Schwangerschaft haben, wird dein Arzt dir wahrscheinlich von dieser Art der Geburt abraten. Auch Schwangeren, die bereits ein Kind per Kaiserschnitt geboren haben, wird von einer Hausgeburt abgeraten.

Hebamme für die Hausgeburt wählen

Die Wahl der richtigen Hebamme ist das A und O für eine Hausgeburt, denn sie begleitet dich durch den kompletten Geburtsprozess und leistet Geburtshilfe. Da die Nachfrage an Hebammen sehr groß ist, wird es für schwangere Frauen oft nicht leicht eine passende Hebamme zu finden – und nicht jede freiberufliche Hebamme bietet die Unterstützung bei einer Hausgeburt an. Deswegen sollten werdende Mütter sich frühzeitig darum kümmern. Falls du doch eine geeignete Person gefunden hast, solltest du darauf achten, dass du ihr voll und ganz vertrauen kannst. Denn sie begleitet dich in dem intimen Moment deiner Geburt und sollte im Notfall auch den Notdienst rufen oder die Hausgeburt sogar abbrechen. Nach der Geburt untersucht sie auch dein Kind und führt die U1 durch. Dazu hört sie Lunge und Herz des Kindes ab, kontrolliert die Blutung sowie Reflexe. Natürlich wird überwacht sie auch den Zustand deiner Gesundheit.

Außerdem übernimmt die Hebamme, die dich auch während der Schwangerschaft und der Hausgeburt betreut hat, die Betreuung des Wochenbetts. Sie darf in den ersten zehn Lebenstagen des Kindes täglich zur Nachsorge kommen und bis zur 8. Lebenswoche des Kindes einmal wöchentlich.

Zimmer für die Geburt bestimmen

Den richtigen Raum für deine Hausgeburt solltest du gemeinsam mit deiner Hebamme, deinem Partner und eventuell deiner Familie bestimmen. Neben dem Wohlfühl-Faktor gibt es auch bestimmte Voraussetzungen, die ein Raum für eine Hausgeburt erfüllen muss. So sollte er zum Beispiel im Notfall schnellstmöglich von Sanitätern mit einer Trage erreicht werden können.
Außerdem sollte der Raum zu jeder Tages- und Nachtzeit beheizbar sein, um für die Geburt eine Raumtemperatur von circa 25° erreichen zu können.

Checkliste Hausgeburt: Geburtszimmer vorbereiten & Besorgungen

Anders als bei einer Geburt in einer Klinik, im Krankenhaus oder Geburtshaus musst du für eine Hausgeburt einiges vorbereiten und besorgen. Am besten beginnst du bereits vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin mit den Vorbereitungen für die Geburt.

Geburtszimmer Besorgungen & Vorbereitungen

  • Frische Bettlaken
  • Frische Bettwäsche
  • Wasserdichte Einweg-Unterlagen für das Bett (z.B. Malerflies)
  • Warme Decke
  • Keil- oder Stillkissen sowie mehrere große Kissen zum Abstützen
  • Malerplane oder alte Laken für den Bereich um das Bett herum
  • Kleiner Tisch
  • Helle Lampe inklusive Verlängerungsschnur (Falls der Damm nach einem Dammschnitt oder Dammriss genäht werden muss)
  • Mülleimer und große Mülltüten
  • Große Schüsseln
  • 5 bis 10 Handtücher und Waschlappen
  • Frottiertücher für das Baby (am besten kurz vor der Geburt wärmen)
  • Thermoskanne (kurz vor der Hausgeburt mit heißem Wasser befüllen)
  • Wärmflasche oder Kirschkernkissen (vorher befüllen oder aufwärmen)
  • Gefäß für die Plazenta
  • Kühlkissen (im Gefrierfach aufbewahren)
  • Kaffee (vorher für eine Dammschutz-Kompresse während der Geburt aufgießen)
  • Große Binden für die Nachblutungen
  • Funkwecker oder Uhr, um den Zeitpunkt der Geburt festzustellen
  • Haushaltseimer
  • Lappen
  • Massageöl
  • Kerzen
  • Getränke und Snacks für die Schwangere während der Geburt (Traubenzucker und Nüsse)
  • Windeln, Body, Strampler und Mütze für das neugeborene Kin
  • Warme Socken für die Schwangere während der Geburt
  • Bequeme Kleidung für die Mutter nach der Geburt
  • Geladenes Handy für den Notfall sowie die ersten Bilder von dem Kind

 

Emotionale Geburtsvorbereitung bei einer Hausgeburt

Neben den Besorgungen und Vorbereitungen der Räumlichkeiten, solltest du dich während der Schwangerschaft auch emotional auf eine außerklinische Geburt vorbereiten. Auch wenn der Vorzug der vertrauten Umgebung für Beruhigung sorgt, macht es einigen Frauen wiederum Angst, eine Geburt nur mit dem Partner, eventuell der Familie und der Hebamme durchzuführen. Im Regelfall ist hierbei nämlich kein Arzt anwesend.

Deswegen solltest du dich bereits einige Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin mit deiner Hebamme über die Geburtshilfe, die Betreuung und den Geburtsverlauf unterhalten. Auch mit deinem Partner und deiner Familie solltest du offen über deine Ängste und Bedenken sprechen.

Generell kann ein Geburtsvorbereitungskurs Schwangeren oder gar Eltern dabei helfen, sich auf eine Hausgeburt vorzubereiten. Hier werden die Abläufe einer Geburt und die einzelnen Geburtsphasen ausführlich erklärt.

Krankenhaustasche packen

Auch wenn du dich für eine Hausgeburt entschieden hast, solltest du für den Notfall auf eine Verlegung in die Klinik oder ins Krankenhaus vorbereitet sein. Denn deine Hebamme und du könnt jederzeit den Notarzt rufen und die Hausgeburt bei Komplikationen abbrechen. Damit du für die Fortsetzung der Geburt schnellstmöglich in die Klink gebracht werden kannst, solltest du eine gepackte Tasche für den Aufenthalt in einer Klinik griffbereit in deiner Nähe stehen haben.

Checkliste Krankenhaustasche Hausgeburt:

  • Wichtige Papiere: Krankenkassenkarte, Mutterpass, Ausweis, Stammbuch oder Geburtsurkunden, Allergiepass
  • Bequeme Kleidung für die Mutter für einen Aufenthalt von bis zu drei Tagen
  • Hausschuhe oder Schlappen
  • Notwendige Hygieneartikel
  • Kleidung für das neugeborene Kind
  • Handyladekabel
  • Snacks

Komplikationen und Risiken bei einer Hausgeburt

Auch wenn eine Hausgeburt viele Vorteile mit sich bringt, besteht natürlich auch ein gewisses Risiko bei einer außerklinischen Geburt. Anders als bei einer Klinikgeburt ist die medizinische Versorgung für Mutter und Baby nicht sofort gewährleistet. Kommt es zu Komplikationen, muss die Schwangere erst in eine Klinik gebracht werden, um dort die Geburt ihres Kindes fortzusetzen. Deswegen solltest du dich trotz gewünschter Hausgeburt zur Sicherheit ein paar Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bei einer Entbindungsstation in der Nähe deines Hauses anmelden.

Neben möglichen Komplikationen einer Hausgeburt solltest du dich auch darauf vorbereiten, dass Schmerzen bei der Entbindung und den Wehen im Normalfall nicht wie bei einer Klinikgeburt mit schnell wirksamen Schmerzmitteln gelindert werden können.

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