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Dammmassage – so bereitest du deinen Damm auf die Geburt vor

Text: Julia Weise-Holtgräwe
Du kannst deinen Damm ab der 36. Schwangerschaftswoche mit regelmäßigen Dammmassagen auf die Geburt vorbereiten. So beugst du Geburtsverletzungen vor und kannst die Geburt angenehmer erleben. Wir wissen, dieses Thema ist nicht sehr populär und tatsächlich klären auch viele Hebammen Schwangere nicht zur Dammmassage auf. Wir finden aber, dass es rund um die Schwangerschaft keine unpopulären Themen geben sollte.

Du findest in unserem Ratgeber eine Anleitung, Tipps und den Hinweis, wann du auf eine Dammmassage verzichten solltest. Wenn du noch Fragen zur Dammmassage hast, sprich mit deiner Hebamme oder deinem Geburtspfleger, alternativ auch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Alles ist bereit für die Geburt – dein Damm sollte es auch sein

Du hast vielleicht schon das Kinderzimmer eingerichtet, die Kliniktasche gepackt und schaust täglich auf den Kalender und zählst die Tage bis zur Geburt deines Babys. Du hast dich während der Schwangerschaft gesund ernährt und bist zum Geburtsvorbereitungskurs gegangen. Alles ist bereit für die Ankunft deines Babys. Nein, noch nicht, denn du kannst auch deinen Damm mit Dammmassagen auf die Geburt vorbereiten. Mit regelmäßigen Massagen deines Damms kannst du Geburtsverletzungen vorbeugen und vielleicht erlebst du weniger starke Schmerzen.

Die Vorteile regelmäßiger Dammmassagen

Der Damm (lat. Perineum) befindet sich zwischen Vulva und After. Der Verbindungssteg besteht aus Haut, Muskeln, Unterfett und Bindegewebe. Während der vaginalen Geburt wird der Damm stark belastet. Passieren Kopf und Schultern den Geburtskanal, dehnt sich das Gewebe stark und es kann zu Geburtsverletzungen kommen. Möglicherweise wird auch ein Dammschnitt notwendig, der nach der Geburt genäht werden muss und dir ein paar Tage Schmerzen bereitet. Wir empfehlen Erstgebärenden die regelmäßige Dammmassage, aber auch Zweit- oder Drittgebärende können von der Massage des Damms profitieren.

Gut zu wissen: Die Dammmassage kann Geburtsverletzungen und dem Dammschnitt vorbeugen. Sie ist aber keine Garantie.

Das brauchst du für die Dammmassage

Zeit, Massageöl und saubere Hände. Plane deine Massage so, dass du durch nichts gestört wirst und dich nicht beeilen musst. Diese fünf bis zehn Minuten gehören ganz dir und deinem Körper und du musst dich entspannen können. Kaufe ein Massageöl deiner Wahl. Ob du ein gut duftendes Rosenöl, ein Babyöl, Gleitgel, das Olivenöl aus der Küche oder ein anderes Öl verwendest, ist ganz deinem persönlichen Geschmack überlassen. Um eine Infektion zu vermeiden, solltest du dir vorher gründlich die Hände waschen.

Du kannst ab etwa der 36. Schwangerschaftswoche mit der Dammmassage beginnen. Am besten wirkt die Massage des Damms, wenn du dir drei- bis viermal in der Woche Zeit dafür nimmst. Du kannst vor der Massage auch ein warmes Sitzbad oder Bad nehmen. Das Gewebe wird weich und ist noch empfänglicher für die Massage.

Anleitung für die Dammmassage

Mach es dir bequem. Probiere aus, ob es besser liegend oder halbliegend im Bett funktioniert oder du lieber stehst. Wenn du die Massage des Damms im Stehen angenehmer empfindest, stelle ein Bein auf einen Stuhl oder den Badewannenrand. Nun verreibst du ungefähr einen Teelöffel des Massageöls auf deinen Fingerspitzen.

Schritt 1: Du führst deine eingeölte Daumenspitze in die Vagina ein. Mit den anderen vier Fingern massierst du jetzt in kreisenden Bewegungen deinen Damm von außen. Massiere etwa 60 Sekunden und erhöhe während der Zeit leicht den Druck.

Schritt 2: Jetzt führst du den Daumen ganz ein und bewegst ihn mit leichten und kreisenden Bewegungen. So lockerst du deine Vagina.

Schritt 3: Nun kommt eine Atemübung dazu. Du atmest aus und massierst während des Ausatmens strahlenförmig deine Vagina in alle Richtungen. Spürst du die Dehnung, atme tief ein und aus und lass dann wieder locker. Diese Übung wiederholst du drei- bis viermal. Bitte dehne das Gewebe immer nur so weit, wie es für dich angenehm ist.

Schritt 4: Du führst wieder die Daumenspitze ein und dehnst den Damm nach außen in die Richtung deines Anus. Führe die Dehnung in kreisenden Bewegungen durch. Atme dabei tief und ruhig und versuche deinen Beckenboden bewusst zu spüren und wieder zu entspannen.

Sei sensibel mit dir

Setze dich bitte nicht unter Druck. Es kann sein, dass du die Dammmassage erst beim zweiten oder dritten Mal als angenehm und entspannend empfindest. Solltest du Schmerzen, einen Dehnungswiderstand oder Ziehen verspüren, mache einen Moment Pause oder morgen weiter. Die Massage darf keine Schmerzen verursachen. Du darfst die ersten Male ruhig als ungewöhnlich empfinden. Über den Damm wird wenig gesprochen und er ist ein Teil des Körpers, der so gut wie nie wahrgenommen oder bewusst berührt wird. Gib dir Zeit, dich an die Massage zu gewöhnen.

Die Dammmassage als Partnermassage

Du kannst die Dammmassage auch als Partnerritual durchführen. Manche Paare genießen diese Form der Zweisamkeit sehr und empfinden sie als große Nähe. Andere wiederum, oder ein Partner, mag es nicht. Sprecht vorher in Ruhe darüber und klärt, ob es für euch beide gleichermaßen angenehm und schön ist.

Sage deinem Partner / deiner Partnerin, wenn du dich unwohl fühlst oder die Massage nicht als angenehm empfindest. Die Dammmassage kann nur gut tun, wenn du offen und ehrlich bist und ihr gemeinsam herausfindet, wie es dir gut tut.

Die eigentliche Massage kann dein Partner / deine Partnerin nach der von uns beschriebenen Anleitung durchführen.

Empfindest du es nicht als angenehm, wenn dein Partner / deine Partnerin dich massiert, kannst du dich auch selbst massieren und zum Beispiel mit dem Rücken gegen deinen Partner / deine Partnerin lehnen. Auch so könnt ihr die Geburtsvorbereitung gemeinsam genießen.

Wann du auf die Dammmassage verzichten solltest

Diese Gründe sprechen gegen eine Dammmasage:

  • Du hast vorzeitige Wehen
  • Du hast Krampfadern im Intimbereich
  • Bei einer Pilzinfektion, einer Entzündung oder einer anderen Infektion ist von der Dammmassage abzuraten.

Bist du dir nicht sicher, fragst du vorher deine Ärztin, deinen Arzt oder deine Hebamme oder deinen Entbindungspfleger.

Und nochmal unser Hinweis: Die Dammmassage ist keine Garantie, dass Geburtsverletzungen oder ein Dammschnitt vermieden werden können. Du kannst das Risiko minimieren, aber den tatsächlichen Geburtsverlauf kann niemand vorhersehen.

Bilder: Getty

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