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Stillprobleme durch besondere Brustwarzen – Tipps für Flachwarzen und Hohlwarzen

Text: Kirsten Hemmerde
Hat deine Brust eine Flach- oder Hohlwarze? Damit kann das Stillen gerade am Anfang zu einer Herausforderung werden. Oft helfen schon eine gute Vorbereitung, die richtigen Stillpositionen und eine fachkundige Begleitung - zum Beispiel durch eine Hebamme oder Laktationsberaterin. Wir verraten dir die besten Tipps.

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt – heißt es oft. Aber genauso natürlich sind Stillprobleme. Bei einer Befragung unter frischgebackenen Müttern in den USA berichteten 92 Prozent am dritten Tag nach der Geburt von Herausforderungen. Die größten Probleme bestanden in Brustschmerzen, Sorgen um die richtige Milchmenge und darin, das Kind korrekt zu füttern. Vor allem Besonderheiten der Brustwarzen können das Anlegen erschweren. Eine Flach- oder Hohlwarze lassen die Burstwarzen anders erscheinen, als das Baby es erwartet. Anders heißt aber nicht „unmöglich“. In den meisten Fällen ist Stillen dennoch möglich. Erstens kommt es auf die richtige Vorbereitung an – die kann oft schon vor der Geburt beginnen. Zweitens ist eine frühe Unterstützung zum Beispiel durch Hebammen wichtig und drittens helfen Geduld und Durchhaltevermögen.

Welche Formen von Brustwarzen gibt es?

Beim Stillen nimmt dein Baby die Brustwarze sowie einen Teil des Warzenhofes in den Mund. Dabei entsteht ein Vakuum. Das führt dazu, dass sich die meisten Brustwarzen von alleine aufrichten. Sie werden durch das Vakuum quasi nach oben gezogen. Bei besonderen Formen kann es jedoch sein, dass die Brustwarze nicht bis zum Gaumen des Babys gelangt. So werden Saugreflex und damit auch das Vakuum nicht ausreichend ausgelöst. Das Andocken an die Brust und damit das Trinken kann dem Baby damit schwerer fallen als bei einer normal geformten Brustwarze.

Bild: Getty

Diese Formen können Brustwarzen haben:

  • normale Brustwarze: Sie steht immer leicht hervor. Bei Erregung, Kälte oder beim Auslösen des Milchspendereflexes richtet sie sich automatisch noch weiter auf. Das Baby kann sie leicht mit dem Gaumen greifen und trinken.
  • Hohlwarze oder Schlupfwarze: Hier ist die Brustwarze nach innen gezogen. Die Ausprägung kann unterschiedlich stark sein. So sind sie bei einigen Frauen auf einer Linie mit dem Brustwarzenhof oder noch tiefer in das Brustgewebe eingesunken. Auch bei einer Stimulation treten sie oft nicht weiter hervor. Der Kneif-Test zeigt dir, ob du eine Hohlwarze hast. Dabei nimmst du den Warzenhof zwischen Daumen und Zeigefinger. Eine normal geformte Brustwarze wird nun hervortreten. Jedoch zieht sich eine Hohlwarze zurück oder nach innen.
  • Flachwarze: Diese Form steht nicht vom Warzenhof ab, sondern befindet sich nur leicht darüber. Auch wenn diese Brustwarzen stimuliert werden, bleiben sie meist in einem flachen Zustand. Daher ist es für das Baby schwierig, diese Brust richtig zu greifen.

Übrigens haben viele Frauen eine besonders geformte Brustwarze. Dabei können beide Brüste, aber auch nur eine Seite betroffen sein. Schätzungsweise hat nahezu jede zehnte frischgebackene Mutter mindestens eine Hohlwarze. Meist ist diese Form angeboren, zum Teil aber auch hormonell bedingt.

Vorbereitung ist alles bei Schlupfwarzen oder Flachwarzen

Wenn du dein Baby stillen möchtest, kannst du dich und deine besonderen Brustwarzen schon während der Schwangerschaft darauf vorbereiten. Schau dir dafür deine Brüste genau an und beobachte sie über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Denn durch die hormonelle Umstellung verändert sich bei einigen Schwangeren die Form der Brustwarzen. So wird bisweilen aus einer Flach- oder Hohlwarze eine normal geformte Brustwarze. Wenn das bei dir nicht der Fall ist, wende dich am besten an deine Hebamme oder eine Stillberaterin in deiner Nähe. Gemeinsam könnt ihr das für dich am besten geeignete Vorgehen besprechen. Vielleicht werden dir dabei kalt-warme Wechselduschen oder auch Hilfsmittel empfohlen. Dazu gehört zum Beispiel ein Brustwarzenformer. Er besteht aus zwei Ringen. Der innere davon drückt leicht auf den Brustwarzenhof. So wird die Brustwarze gedehnt und nach außen gedrückt. Dieses Produkt kann in der Regel ab der 32. SSW angewendet und im BH getragen werden. Bei einem Frühgeburtsrisiko sollte darauf verzichtet werden.

Bild: Getty

Brustwarzen-Tipps für erfolgreiches Stillen

Direkt nach der Geburt ist das erste Anlegen besonders wichtig für einen guten Stillstart. Hier finden Baby und Mama zueinander, wertvolle Nährstoffe wie das Kolostrum werden ausgeschüttet. Egal mit welcher Brustwarzenform – trau dich, dein Baby zu stillen. Bei Flach- oder Hohlwarzen kann es sich lohnen, dass du sie vor dem Andocken deines Babys kurz vorbereitest. Damit machst du es deinem Kind leichter, die Brust zu greifen. Dabei helfen diese Tipps:

  • Nimm deine Brustwarze zwischen Daumen und Zeigefinger. Rolle sie dazwischen hin und her, damit sie weiter hervortritt.
  • Forme mit den Fingern ein „C“ oder ein „V“ um die Brustwarze herum. Wenn du nun leicht drückst, bewegst du sie weiter nach außen.
  • Eine Milchpumpe kann mit ihrem Unterdruck ebenfalls die Brustwarze aufrichten. Verwende sie direkt vor dem Stillen deines Babys.
  • Kälte bewirkt Wunder bei einigen Müttern. Berühre dafür mit einem Eiswürfel oder einer Kühlkompresse kurz die Brustwarze.
  • 30 bis 60 Minuten vor der Stillmahlzeit kannst du mit einem Brustwarzenformer deine Brüste auf das Stillen vorbereiten.

Achte beim Stillen immer darauf, dass Babys Gaumen nicht nur deine Brustwarze, sondern auch den Warzenhof greift. Probiert euch ruhig durch die verschiedensten Stillpositionen. Oft gibt es eine Lage oder einen Griff, der besonders komfortabel ist.

Fachkundige Unterstützung und Hilfsmittel

Dein Kind weint beim Stillen, wendet sich ab, schläft ein oder nimmt nicht richtig zu? Du bist dir unsicher, ob dein Baby korrekt angelegt ist? Ein Netzwerk aus Stillexperten steht Müttern in dieser Situation zur Seite. Vielleicht gibt es eine Stillgruppe in deiner Stadt? Dort kannst du dich mit anderen Müttern und Fachleuten austauschen. Auch deine Hebamme oder eine speziell ausgebildete Stillberaterin unterstützen dich gerne. Sie schauen, ob deine Brustwarze die richtige Stillform hat, die Stillposition für euch beide passt und geben dir Tipps für eure Stillbeziehung. Zudem können sie dir Hilfsmittel empfehlen. Manche Babys trinken anfangs mit Brusthütchen besser. Andere Mütter machen gute Erfahrungen mit einer Milchpumpe. Diese Geräte werden oft auf Rezept auch von der Krankenkasse bezahlt. So sollen möglichst viele Mütter die Gelegenheit haben, ihr Kind zu stillen. Auch wenn es am Anfang vielleicht manchmal eine kleine Herausforderung ist.

 

 

 

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