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Abstillen – so klappt‘s

Text: Kirsten Hemmerde
Ob aus medizinischen Gründen, wegen der Einführung von Beikost oder einfach, weil Mutter und Kind nicht mehr mögen – die Hintergründe für das Abstillen sind verschieden und individuell. Damit die Reduzierung der Milchmahlzeiten möglichst stressfrei klappt, können diese Tipps helfen.

Die meisten Babys in Deutschland werden gestillt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. geben 82 Prozent der Mütter ihren Kindern die Brust. Mehr als die Hälfte – nämlich 56 Prozent – stillen vier Monate nach der Geburt ausschließlich. Diese Zahlen bedeuten auf der anderen Seite, dass einige Frauen direkt nach der Geburt nicht stillen und viele Frauen sich in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes dazu entscheiden, abzustillen oder Flaschenmilch zuzufüttern. Die Gründe genauer untersucht hat Bayerische Gesundheitsamt bei über 3.800 Müttern. Demnach waren Stillprobleme der Hauptgrund für das Abstillen innerhalb der ersten vier Monate. Dazu zählen medizinische Ursachen wie Flach- und Hohlwarzen, Brustentzündung, Saugprobleme des Kindes, aber auch die Sorge, dass das Kind durch das Stillen allein nicht satt wird. Die Mütter, die nicht mit dem Stillen angefangen hatten, halten Flaschenfütterung für bequemer oder genauso gut wie Stillen, hatten bei einem anderen Kind Stillprobleme oder wollten rasch in den Beruf zurückkehren.

Die verschiedenen Formen des Abstillens

Es gibt verschiedene Formen des Abstillens, die sich über den Zeitpunkt definieren.

  • Das primäre Abstillen geschieht direkt nach der Geburt. Meist erhalten Frauen dann eine Tablette, die die Muttermilchproduktion hemmt. Gründe können sein, dass die Mutter nicht stillen möchte, schwer krank ist, ihr Kind zur Adoption freigibt oder es bei der Geburt verloren hat.
  • Das sekundäre Abstillen bezeichnet einen meist plötzlichen Stillstopp aufgrund schwerwiegender Beeinträchtigungen. Hier handelt es sich um Stillprobleme, Brustentzündungen, Abszesse oder depressive Erkrankungen im Wochenbett. Dabei kommen ebenfalls oft Medikamente mit Prolaktinhemmern zum Einsatz.
  • Die häufigste Form des Abstillens ist der allmähliche Stillabschied. Hierbei wird nach und nach eine Stillmahlzeit ersetzt – entweder durch Beikost oder bei jüngeren Kindern durch eine Flaschenmahlzeit. Gestillt wird weiterhin nach Bedarf, so dass es bis zum vollständigen Abstillen so lange dauert, wie Mutter und Kind es möchten.

So funktioniert das allmähliche Abstillen

Der Beginn des allmählichen Abstillens ist meist der Beikost-Start. Dann wird diese Form auch natürliches Abstillen genannt. Genaugenommen bedeutet schon der erste Löffel Brei den Verzicht auf etwas Milch. Experten empfehlen, zwischen dem fünften und siebten Monat mit dem Mittagsbrei zu beginnen. Hier erhält das Kind zunächst einige Löffel Gemüsebrei. Die Breikonsistenz und auch der Löffel sind anfangs noch ungewohnt – das Baby sollte daher nur eine kleine Menge essen. Der Rest der Mahlzeit wird durch Muttermilch gedeckt. Nach und nach werden die Mengen des Breis gesteigert, nach kurzer Zeit kommen Kartoffeln und Fleisch hinzu. Mit jedem Löffel mehr braucht das Kind weniger Milch. Gleichzeitig wird die Brust so sanft daran gewöhnt, dass diese Mahlzeit entfällt. Nach einem Monat kann mit dem zweiten Brei gestartet werden, das ist meist der Milch-Getreide-Brei als Abendmahlzeit. Der Ablauf ist hier wieder ähnlich. Etwa einen weiteren Monat später kommt der Nachmittagsbrei hinzu und ab dem zehnten Monat das Frühstück.

Die Brust unterstützen

Das Abstillen stellt für die Brüste eine große Umgewöhnung da. Gerade zu Beginn kann oft noch mehr Milch vorhanden sein, als benötigt wird. Um Schmerzen oder gar einen Milchstau beziehungsweise eine Brustentzündung zu verhindern, haben sich folgende Tipps bewährt:

  • Kühlen: Weißkohlblätter, Quarkauflagen oder Kompressen mit kaltem Salbeitee verwenden
  • Salbeitee trinken: Zwei bis drei Tassen täglich unterstützen bei der Milchreduktion.
  • Homöopathie: Die Potenzen Phytolacca D1, Phytolacca D2 oder Phytolacca D4 sollen beim Abstillen helfen.
  • BH: Der richtige BH sitzt jetzt eng. So wird die Milchproduktion eingeschränkt.
  • Nicht abpumpen: Wenn sich die Brust trotz allem zu voll anfühlt, sollte die Milch nur sanft ausgestrichen werden. Abpumpen ist hier nicht zu empfehlen, da es die Milchproduktion anregt.

Grundsätzlich gilt aber, wenn ihr langsam abstillt und dem Prozess Zeit gebt, sollte es hier kaum Probleme geben.

Herausforderungen beim Abstillen

Neben der Umgewöhnung für die Brust kann es weitere Herausforderungen beim Abstillen geben. Viele Babys verbinden das Stillen mit Geborgenheit und Wohlbefinden. Wird nun weniger gestillt, reagieren einige Kinder darauf mit Verunsicherung oder Trotz. Hier kann es helfen, wenn andere Personen das Baby füttern. Zudem haben einige Babys, die ausschließlich gestillt werden, Probleme mit dem Trinken aus der Flasche oder dem Becher. Spätestens ab der dritten Breimahlzeit braucht es jedoch zusätzliche Flüssigkeit. Viele Mütter haben gute Erfahrungen damit gemacht, auch bei jungen Säuglingen zwischendurch einmal die Milch abzupumpen, um sie so an den Sauger zu gewöhnen. Bei frischgebackenen Mamas steht der Wunsch nach Schlaf ganz oben auf der Liste. Direkt als erste Stillmahlzeit das nächtliche Stillen abzugewöhnen, ist jedoch meist keine gute Idee. Denn dann sind die Zeitabstände zwischen dem letzten Stillen am Abend und dem ersten am Morgen zu groß, so dass die Brust belastet wird. Zudem brauchen viele Kinder im ersten Lebensjahr nachts noch etwas zu trinken.

Der eigene Rhythmus zählt

Stillen oder Nichtstillen ist ein ebenso privates und intimes Thema wie das Abstillen. Mütter sollten hier auf ihr Bauchgefühl hören und darauf achten, was ihnen und ihrem Kind guttut. Einflüsse von außerhalb und gesellschaftlicher Druck können jedoch verunsichern. Hier hilft das Gespräch mit der Hebamme. Einfühlsam kann sie einen Weg aufzeichnen und Tipps geben. Und auch aus ihrer Erfahrung berichten. Denn viele Ansichten von „damals“ sind heute überholt. Längst ist bewiesen, dass Babys unterschiedliche Bedürfnisse haben. Das gleiche gilt auch für Mütter. Was sich für eine Frau gut und richtig anfühlt, kann die andere ebenso überfordern. Und während ein Kind schon seit Monaten durchschläft, braucht das andere auch nachts noch regelmäßig etwas zu trinken. Hier gilt es, den eigenen Weg zu finden. Der ist dann der beste für Mutter und Kind.

Bilder: Getty

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