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Nahrungsmittelunverträglichkeiten & Allergien bei Kindern

Nahrungsmittelunverträglichkeiten & Allergien bei Kindern

Auf was ist mein Kind allergisch? Das herauszufinden ist die Herausforderung der Eltern bei Verdacht auf Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Reagiert mein Kind auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch? Oder hat es generell Allergien? Das herauszufinden ist für Eltern nicht einfach. Es vergehen oft Wochen oder sogar Monate, bis die richtige Diagnose feststeht. Eine Unverträglichkeit im Säuglingsalter zu erkennen ist ebenso schwierig, denn Babys können ihre Gefühlslage nur durch Schreien und Quengeln äußern. Schmerzt das Bäuchlein längere Zeit oder sind Blähungen immer wiederkehrend, so ist eine ärztliche Abklärung zu empfehlen!

Der Darm übernimmt wichtige Funktionen

Unser Darm ist fast rund um die Uhr damit beschäftigt, Nährstoffe aufzuspalten und zu resorbieren. Das heißt er nimmt Nährstoffe auf und sie werden an die zuständigen, zu versorgenden Organe weiter geleitet. Bei der Aufspaltung der Nährstoffe sind unter anderem Enzyme beteiligt. Diese ermöglichen erst die Aufnahme. Funktionieren bestimmte Verdauungsprozesse aufgrund einer Unverträglichkeit, Allergie oder einer anderen Erkrankung nicht richtig, ist nicht nur unser Darm in Mitleidenschaft gezogen. Tatsächlich leidet unser gesamtes Immunsystem darunter, was natürlich Folgen für unser allgemeines Befinden nach sich zieht.

Wie bemerkt man eine Allergie bei Babys und Kindern?

Eine Allergie kann sich ganz unterschiedlich äußern, das macht die Diagnose auch so schwierig. Neben Symptomen wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Übelkeit, können auch Hautausschläge, Neurodermitis, allgemeiner Juckreiz der Haut, spontanes Erbrechen, Atemnot, eine Schwellung des Mundraumes, der Lippen oder der Augen auftreten. Auch ein "rauer Hals" oder ein "komisches Gefühl auf der Zunge" können auf eine Unverträglichkeit hindeuten. Im Extremfall können sogar Schockreaktionen auftreten. Bei Kleinkindern ist eine Diagnose meist einfacher zu stellen als bei Babys, da Kleinkinder sich schon durchaus über ihr Unwohlsein äußern können.
Im Beikostalter Schritt für Schritt neue Lebensmittel einführen | Bild: Getty

Beikost Schritt für Schritt einführen

Bei den oben genannten Symptomen muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, damit eine möglichst schnelle und zuverlässige Diagnose gestellt werden kann. Außerdem muss vielfach eine Behandlung erfolgen, die zum Beispiel entstandene Entzündungen im Darm oder Hautausschläge abklingen lässt. Um das Allergierisiko bei Babys und Kleinkindern zu minimieren oder eine Allergie möglichst früh zu erkennen, kann man zum Beispiel bei der Einführung der Beikost pro Woche nur ein neues Nahrungsmittel anbieten. Die meisten Eltern fangen mit Karotten oder Pastinaken an, es kann aber auch eine andere Gemüsesorte sein. Eltern die selbst an einer Allergie oder Unverträglichkeit leiden, sollten bei Einführung der Beikost verstärkt auf das Baby achten: Reagiert die Haut, kommt es vermehrt zu Durchfall, ist das Baby quengeliger als sonst und überstreckt sich auf dem Arm weil es Bauchweh hat?

Nahrungsmittelunverträglichkeit - Eine frühe Diagnose ist wichtig

Eine Allergie wird meist durch Blut- oder Hauttests diagnostiziert. Es wird auch empfohlen ein Ernährungsprotokoll zu führen. Das hilft dem Arzt dabei festzustellen, was der Auslöser der Allergie sein kann. Eine Allergie oder Unverträglichkeit sollte so früh wie möglich festgestellt werden. Meist erfolgt dies jedoch, wenn das Kind normal am Familientisch mitessen kann. Nach der Diagnose ist das Ziel, das Immunsystem wieder zu stabilisieren. Bei einer Allergie muss auf das Lebensmittel, das als Auslöser diagnosiziert wurde, weitgehend verzichtet werden. Wird z.B. eine Milcheiweißallergie festgestellt, so müssen Milchprodukte vom Speiseplan gestrichen werden. Gute Alternativen sind Mandelmilch, Reismilch oder Hafermilch. Besonderes Hauptaugenmerk muss in diesem Fall auch beim Kauf von Gläschenkost gelegt werden, da diese oft entrahmte Milch oder Sahne enthalten. Gemüsesorten wie Brokkoli, Spinat, Grünkohl oder Petersilie sind sehr gute pflanzliche Kalzium-Lieferanten. Oft können alternativ auch Milchprodukte aus Schaf- oder Ziegenmilch gegeben werden. Das ist jeweils mit dem Arzt abzuklären.

Vorsicht bei Fertigprodukten

Wenn Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien vorliegen, sollte auf Fertigkost weitgehend verzichtet werden. Wer die Mahlzeiten fürs Baby und Kleinkind selber zubereitet, hat den besseren Überblick über die Inhaltsstoffe. Ist das Kind bei der Tagesmutter oder in einer Kindertagesstätte, sollten natürlich auch die Betreuer über die Allergie informiert werden. Achtung: Besonders bei Kindern mit einer Erdnussallergie ist das wichtig, denn viele Lebensmittel können Spuren davon enthalten. Die Ernussallergie gehört übrigens zu einer der häufigsten Allergien bei Kindern. Aber auch bei Unverträglichkeiten von Weizen, Soja, Ei oder eben Milch ist natürlich die Kita zu informieren.
Wer selber kocht, weiß genau über die Inhaltsstoffe Bescheid | Foto: Getty

Wissenswertes über Glutenunverträglichkeit & Co. bei Kindern

Spricht man von einer Unverträglichkeit gegenüber einem Lebensmittel, so können bestimmte Nahrungsbestandteile im Darm nicht optimal verwertet werden. Die Glutenunverträglichkeit, auch Zöliakie genannt, ist eine Überempfindlichkeit gegen Gluten (Klebeiweiß). Das ist in bestimmten Getreidesorten wie Dinkel, Gerste, Roggen, Weizen, Hafer, Kamut oder Urkorn enthalten. Die klassische Zöliakie beginnt im Säuglingsalter und zwar gleichzeitig mit der Einführung getreidehaltiger Beikost. Das Bäuchlein des Babys ist nach den Mahlzeiten aufgebläht, oft reagiert es mit chronischen Durchfällen, weint und schreit viel weil es sich unwohl fühlt. Bleibt die Unverträglichkeit über einen längeren Zeitraum unentdeckt können Wachstumsstörungen auftreten. Besonders gefährdet sind Kinder, deren Eltern bereits an einer Zöliakie leiden oder auch Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus Typ 1).

Laktoseintoleranz

Bei einer Laktoseunverträglichkeit fehlt dem erkrankten Kind das Enzym Laktase im Darm. Dieses Enzym spaltet im Darm den aufgenommenen Milchzucker (Laktose) auf. Ist dieses Enzym beim Kind nicht vorhanden, so gelangt der unverdaute Milchzucker in die unteren Darmabschnitte. Dort wird der Milchzucker von Bakterien aufgespalten, was Gase entstehen lässt. Diese wiederum können zu schmerzhaften Blähungen führen. Stunden nach dem Essen kann es zu Symptomen wie Durchfall oder kleinen Darmkoliken kommen. Babys können Laktose in der Regel sehr gut verdauen, denn auch in der Muttermilch ist davon viel enthalten, mehr sogar als in Kuhmilch. Doch mit dem Alter von etwa fünf bis zehn Jahren nimmt das Enzym Laktase bei den meisten Menschen ab. Das heißt, dass sie auf Laktose mit oben beschriebenen Symptomen reagieren können. Nur etwa ein Drittel der Deutschen können Laktose ihr Leben lang gut verdauen. Meist stellt sich im Jugendalter eine gewisse Unverträglichkeit heraus. Dann sollte auf Milchprodukte weitgehend verzichtet werden.

Fructoseintoleranz

Bei einer Fructoseintoleranz ist ein Transportsystem in der Darmschleimhaut gestört. Dieses ist eigentlich für die Aufnahme von Fructose, dem Fruchtzucker zuständig. Durch die Fehlfunktion kann der Zucker nicht im Dünndarm aufgenommen werden. Ähnlich wie bei der Laktoseintoleranz wird der Zucker in die unteren Darmabschnitte weitergeleitet. Hier wird er von Bakterien verarbeitet. Die "Abfallstoffe" dieses Prozesses führen zu Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Durchfälle und Unwohlsein.

Symptome, die auf eine Laktoseintoleranz und Fructoseintoleranz hinweisen:

  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • Durchfall
  • allgemeines Unwohlsein
  • Müdigkeit
  • Hautausschläge

Symptome, die auf eine Glutenunverträglichkeit hinweisen:

  • Appetitlosigkeit
  • Bauchschmerzen
  • Wachstumsstörung
  • chronische (wiederkehrende) Durchfälle
  • aufgeblähter Bauch
  • Müdigkeit
  • Blutarmut durch Eisenmangel

Arztbesuch bei Allergien und Unverträglichkeiten

Klagt das Kleinkind häufig über Bauchschmerzen oder Blähungen oder auch über weichen oder breiigen Stuhl, wird der Kinderarzt zu einem H²-Atemtest raten. Der Test zeigt dem Arzt ziemlich genau, ob eine Laktose- oder Fructoseintoleranz vorliegt. Sollte der Verdacht bestehen, dass das Kind an einer Glutenunverträglicheit (Zöliakie) leidet, kann das nur über eine Blutuntersuchung festgestellt werden. Hundertprozentige Sicherheit gibt es aber erst, wenn eine Gewebeprobe des Dünndarms entnommen wird (Biopsie). Diese wird zusätzlich empfohlen und muss in einer Klinik durchgeführt werden.

Eine Ernährungsberatung kann helfen

Es gibt viele Unverträglichkeiten und Allergien. Ist eine Diagnose nach (oft langer) Ungewissheit bestätigt, gibt es viele Fragen für das Leben im Alltag:
  • Was und wie sollen wir in Zukunft kochen?
  • Was sollen wir beim Lebensmitteleinkauf beachten?
  • Auf welche Inhaltsstoffe müssen wir verzichten?
  • Was sind gute Ersatzprodukte?
  • Worauf sollen wir achten, wenn wir auswärts essen gehen?
  • Welche Informationen braucht die Kita von uns?
Eine Ernährungsberatung ist immer sinnvoll, um derartige Unsicherheiten zu klären. Die meisten Ernährungsberater haben bereits ganze Listen mit Produkten, die für kleine und etwas größere Allergiepatienten ohne Risiko sind. Viele Krankenkassen bieten entsprechende Leistungen an – manchmal werden sie auch nur auf Nachfrage übernommen. Bild: Gettyimages

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