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Immunsystem stärken – so hilfst du deinem Kind

Text: Kirsten Hemmerde
Kaum sinken die Temperaturen, steigen die Infektionen bei Kindern. Ob Baby, Kleinkind oder Kita-Kind: Mit Hausmitteln, der richtigen Ernährung und unseren weiteren Experten-Tipps kannst du das Immunsystem deines Kindes stärken.

Jeden Herbst und Winter rollt eine Erkältungswelle über Deutschland. In diesem Jahr ist es besonders heftig. Das Robert-Koch-Institut meldet deutlich gestiegene Zahlen von akuten Atemwegserkrankungen bei Kindern und Erwachsenen. Vor allem bei den Unter-Vierjährigen sind die Werte hoch. Denn durch Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Masken und Abstand haben kleine Kinder ihr noch junges Immunsystem kaum trainieren oder stärken können. Die Schutzmaßnahmen der Corona-Pandemie haben auch andere Viren und Bakterien von ihnen ferngehalten. Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.: „Der Unterschied in diesem Herbst und Winter ist, dass sich die Kinder in den Gemeinschaftseinrichtungen viel stärker und häufiger als letzten Winter untereinander mit den bekannten Erkältungsviren anstecken. Weit über 99% der Atemwegsinfektionen bei Kindern sind dabei nicht von einer Covid-Infektion ausgelöst.“ Umso wichtiger ist es, dass Kinder ihr Immunsystem stärken. Dieses Training beginnt bereits im Säuglingsalter.

Wie kann ich das Immunsystem von Babys stärken?

Die gute Nachricht: Babys kommen bereits mit Abwehrkräften zur Welt. Nestschutz heißt dieser Mix aus Antikörpern, den das Neugeborene von seiner Mutter über die Nabelschnur erhalten hat. Der Nestschutz ist individuell. Denn übertragen werden die Antikörper, die die Mutter aufgrund überstandener Infektionen oder durch Impfungen in sich trägt. Zwischen zwei und vier Monaten genießt das Baby damit einen gewissen Schutz vor Krankheiten wie Masern, Mumps oder Röteln. Mit diesen Maßnahmen kannst du das Immunsystem deines Babys weiter stärken:

  • Stillen: Vor allem die erste Muttermilch, das sogenannte Kolostrum, enthält viele Antikörper und abwehrunterstützende Enzyme. Auch in der reiferen Muttermilch sind immunsystemstärkende Inhaltsstoffe vorhanden.
  • Impfen: Impfungen für Babys und Kleinkinder enthalten abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger. Sie stärken die Abwehrkräfte, da sich der Körper mit den Fremdstoffen auseinander setzt.
  • Umgebung: Frische Luft ist gut für das Immunsystem. Zuhause sollte die Luft rein sein. Qualm durch Rauchen oder Schimmelsporen gelten als krankheitsfördernd.

So trainieren Kleinkinder ihre Abwehrkräfte

Im Kleinkindalter geht das Training des Immunsystems weiter. Kann das Kind beispielsweise krabbeln oder laufen, hat es mehr Kontakte zu Keimen und Bakterien. So wird das Immunsystem gefordert. Fehlen durch zu große Sauberkeit diese Möglichkeit, sucht sich der Körper andere Felder. Wissenschaftler führen den dramatischen Anstieg von Asthma unter anderem auf zu viel Hygiene im Alltag zurück. Der preisgekrönte kanadische Wissenschaftler Professor Brett Finlay hat unter dem provokanten Titel „Let them eat dirt“ (Auf deutsch: Dreck ist gesund) ein Buch und einen Film zu diesem Thema veröffentlicht. Er plädiert für einen gelassenen Umgang mit Schmutz. Natürlich sollten Eltern auf Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und Sauberkeit achten. Wichtig ist es jedoch, auch den Kontakt zu Mikroben zuzulassen. „Gute Bakterien spielen eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und Entwicklung von Kindern“, erläutert Finlay. Also: Öfter mal die Reinigungsmittel im Schrank lassen und ohne schlechtes Gewissen den Wollmäusen unter der Couch zusehen.

Gibt es Hausmittel, die das Immunsystem stärken?

Ob Hausmittel oder Verhalten: Mit diesen Tipps kannst du im Alltag die Abwehrkräfte deines Kindes stärken. Gleichzeitig profitiert auch deine Gesundheit davon.

  1. Draußen spielen: Frische Luft tut dem Körper gut. Zudem kurbelt das Tageslicht draußen die wichtige Vitamin-D-Produktion an.
  2. Bewegung: Bei schlechtem Wetter verlagert eure täglichen Bewegungseinheiten nach drinnen. Denn körperliche Aktivität stärkt die Muskeln und die Abwehrkräfte. Zudem sorgt Bewegung für einen freien Kopf und mehr Zufriedenheit.
  3. Ausreichend schlafen: Im Schlaf regeneriert sich der Körper. Das ist besonders für Kinder wichtig. Zweijährige brauchen noch rund 13 Stunden während Experten für Vierjährige um die zwölf Stunden empfehlen. Die optimale Schlaftemperatur liegt bei 18 Grad.
  4. Ernährung: Vitamine stärken das Immunsystem. Gerichte sollten daher vitamin- und abwechslungsreich sein und auf der anderen Seite auch Mineralien, Kohlenhydrate und Proteine enthalten. Bei wählerischen Essern helfen kleine Tricks in leckeren Rezepten.
  5. Stress vermeiden: Schon Kinder haben sensible Antennen für Stress. Ruhe, Entspannung und ein entzerrter Terminkalender sind nicht nur gut für Nerven und Familienleben, sondern auch für das Immunsystem.

Zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente oft nicht nötig

Wenn es medizinisch nicht unbedingt notwendig ist, raten Experten von Arzneien zur Stärkung des Immunsystems ab. Denn der Einsatz von Medikamenten kann sogar kontraproduktiv für die Gesundheit sein. Das hat Professor Finlay in einer breit angelegten Studie gezeigt. Der Forscher fand heraus, dass die Einnahme von Antibiotika innerhalb der ersten zwölf Lebensmonate mit einem fast doppelt so hohen Risiko verbunden ist, im Alter von fünf Jahren an Asthma zu erkranken. So sind in Kanada die Asthma-Fälle zurückgegangen, nachdem dort weniger Antibiotika verschrieben wurden.  Auch pflanzlichen Mitteln stehen viele Ärzte skeptisch gegenüber. Beispielsweise warnt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, dass einige dieser sogenannten Phytopharmaka Herz, Leber, Gehirn oder Niere schaden können. Bei homöopathischen Präparaten dagegen sei nicht bewiesen, dass sie Kindern dabei helfen, ihr Immunsystem zu stärken.

Woran erkenne ich, wie kräftig das Immunsystem meines Kindes ist?

Viele Eltern machen sich Sorgen, dass ihr Kind an einem schwachen Immunsystem leiden könnte. Denn gerade Kitakinder leiden oft gefühlt durchgehend unter einer laufenden Nase oder Husten. Das ist jedoch normal. Durchschnittlich acht bis zwölf Infektionen pro Jahr erleben Säuglinge und Kleinkinder. Gehäuft treten die Erkrankungen im ersten Kitajahr auf, wenn der Körper auf neue, unbekannte Erreger trifft. So wird das Immunsystem trainiert. Denn zu jedem neuen Keim bildet es die passenden Antikörper. Kommt es zu einem erneuten Kontakt mit dem gleichen Virus oder Bakterium, wehrt sich der Körper dagegen. Durch dieses Training nimmt die Zahl der Infektionen ab, wenn das Kind älter wird. Ist das Kind überdurchschnittlich häufig krank ist, leidet öfter am gleichen Erreger, hat schwere Verläufe wie eine Lungenentzündung oder einen chronischen Verlauf, kann das auf ein schwaches Immunsystem hindeuten. Hier hat der Kinderarzt die Möglichkeit, mit einer Blutuntersuchung und weiterer Diagnose den Verdacht abzuklären.

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