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Zuhause kindersicher machen: So gelingt’s

Text: Kirsten Hemmerde
Steckdosen, Wohnungstüren oder auch der Fenstergriff wirken auf kleine Kinder verlockend. Leider oft mit schlimmen Folgen. Die meisten Unfälle mit Kindern geschehen in den eigenen vier Wänden. Wir verraten dir die besten Tipps, mit denen du dein Zuhause einfach kindersicher machst.

Es sind erschreckende Zahlen, die die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ (BAG) ermittelt hat: Rund 200.000 Kinder müssen pro Jahr im Krankenhaus wegen einer Verletzung behandelt werden. Die meisten Unfälle geschehen dabei in den eigenen vier Wänden – nämlich gut 60 Prozent. Besonders häufig sind Stürze, Verbrennungen oder auch Vergiftungen. „Eltern neigen dazu, die Gefahren für Kleinkinder im häuslichen Umfeld zu unterschätzen“, erklärt Stefanie Märzheuser, Präsidentin der BAG. „Aus meiner langjährigen Praxis als Kinderchirurgin weiß ich, dass sich Kinder in den ersten Lebensjahren häufiger in der eigenen Wohnung verletzen als im Straßenverkehr.“ Doch so weit muss es gar nicht erst kommen. Oft reichen schon kleine Veränderungen, mit denen du dein Zuhause kindersicher machen kannst. Nimm dir kurz Zeit für eine kleine Begehung eurer Wohnung oder eures Hauses. Und schaue dabei aus der Perspektive deines Kindes – auf den Knien oder sogar auf dem Bauch. Du wirst erstaunt sein, was du alles entdeckst.

So werden Tische, Fenster und Türen kindersicher

Schnell ist es passiert: Dein Schatz will zur Tür raus und hat die Finger noch dazwischen. Oder beginnt gerade, sich hochzuziehen und fällt dabei auf die Tischkante. Für viele dieser Situationen gibt es günstige und praktische Hilfsmittel, mit denen du dein Kind vor einem Unfall schützt.

  • Kantenschutz: Damit sich dein Kind bei einem Sturz nicht den Kopf am Tisch aufschlägt, kannst du die Tischkanten mit einem Kantenschutz sichern. Diese Hilfsmittel gibt es in verschiedenen Farben und Formen. Bringe für Kleinkinder auch ruhig einen Schutz an der unteren Tischseite an. Denn sie stoßen sich den Kopf besonders häufig, wenn sie sich vom Krabbeln oder Robben wieder aufrichten. Für Glastische mit dünner Platte gibt es sogar umlaufende Polsterungen, die du um die komplette Umrandung anbringen kannst.
  • Tischdecke: Kinder nutzen Tischdecken, um sich daran festzuhalten und hochzuziehen. Das ist eine große Gefahr, da sie so Gegenstände wie Geschirr, Vasen oder Deko mit der Decke auf sich ziehen. Daher sollte die Tischdecke nicht vom Tisch herunterhängen. Mit einer Anti-Rutsch-Matte machst du den Tisch zusätzlich kindersicher. Sie wird einfach unter die Tischdecke gelegt.
  • Fenstersicherung: Sind Kinder im Raum, sollten Fenster geschlossen oder gekippt sein. Denn zu schnell sind gerade Kleinkinder sonst an der Öffnung. Laut BAG kommt es in den Sommermonaten sogar zu einem tödlichen Sturz pro Woche. Um das zu verhindern, kannst du an Fenster oder Balkontür ein spezielles Schloss oder eine Sicherung anbringen. Einige Modelle funktionieren auch bei gekipptem Fenster, sodass gleichzeitiges Lüften möglich ist.
  • Türschutz: Oft klemmen sich Kinder ihre Finger zwischen Tür und Zarge ein. Mit einem schmalen Türstopper, der einfach am Türblatt angebracht wird, schützt du deinen Schatz. Eine weitere Verletzungsquelle ist die offene Spalte zwischen Tür und Scharnierseite. Hier hilft ein Fingerklemmschutz, den du dazwischen befestigst.

Stolperfallen beseitigen und Steckdosen sichern

Wer auf seinen Boden schaut, ist oft erstaunt, was sich dort alles befindet. Kabel von Telefon oder Fernseher schlängeln sich über den Teppich. In den Ecken parkt der Saugroboter und unter dem Fenster stehen zwei große Topfpflanzen. Das alles sind Stolperfallen für Kinder. Auch Kleinkinder, die gerade krabbeln, können sich darin verheddern oder verletzen. Daher sollten Kabel möglichst dicht an der Wand entlang geführt werden. Vasen oder Deko stehen besonders kindersicher, wenn sie außer Reichweite positioniert werden. Einen Saugroboter kannst du für Kinder unterreichbar unter der Couch oder dem Regal parken.

Eine geradezu magische Anziehungskraft üben Steckdosen auf viele Kinder aus. Mit dem Finger oder einem spitzen Gegenstand greifen sie hinein und können so einen elektrischen Schlag erleiden. Im Fachhandel oder auch in Drogeriemärkten sind Schutzvorrichtungen erhältlich, die du einfach in die Steckdose klebst oder schraubst. Wenn ihr gerade neu baut oder renoviert, kannst du auch direkt Steckdosen mit integrierter Kindersicherung installieren.

Regale und Wickelkommoden sind eine Gefahrenquelle

Umfallende Regale, eine wackelige Wickelkommode oder auch herabstürzende Elektrogeräte bergen große Gefahren. Gerade im Krabbelalter, denn dann entdeckt dein Schatz seine Welt. Da werden Schubladen ausgeräumt und hineingeklettert. Das Regal dient zum Hochziehen für erste Stehversuche. Für solche Aktivitäten sind die Möbel jedoch nicht gefertigt. Daher sollten sie zusätzlich kindersicher gestaltet werden. Mit einer Möbel-Kippsicherung schaffst du eine feste Verbindung zur Wand und verhinderst das Umstürzen. Viele Wickelkommoden haben einen Aufsatz, der ebenfalls an der Wand befestigt werden sollte. Für schwere Elektrogeräte wie den Fernseher gibt es ebenfalls eine Sicherung. Mit Gurten kannst du das Gerät am Sideboard oder der Wand verbinden. Gibt es einen Bereich, den dein Kind nicht betreten soll, helfen Türschutzgitter. Sie kannst du einfach in der Türzarge anbringen. Damit sicherst du auch gefährliche Bereiche wie eine Treppe.

Tipps für eine kindersichere Küche

In der Küche halten sich viele Kinder besonders gerne auf. Herd und Ofen bieten jedoch auch ein großes Verletzungsrisiko. Mit diesen Tipps kannst du deine Küche kindersicher machen:

  • Herdschutzgitter verhindern, dass dein Kind heiße Töpfe oder Pfannen vom Herd zieht. Einige Varianten sind komplett dicht, sodass Kinderhände sich auch nicht auf den Herdplatten verbrennen kann.
  • Mit einem Backofenschloss verschließt du die Backofenklappe. Die meisten Exemplare halten bis zu 15 Kilogramm Zugkraft stand. Praktisch: Oft sind sie auch für Mikrowellen geeignet.
  • Kinderschutzabdeckungen verstecken die Knöpfe vom Herd.
  • Eine Kühlschranksicherung sorgt dafür, dass dein Schatz nicht unbemerkt an Kühl- oder Gefrierfächer gelangt.
  • Die richtige Positionierung schützt vor Unfällen. Stelle am besten spitze Messer, Wasserkocher oder Kaffeemaschine nah an die Küchenwand. So kann dein Kind sie nicht greifen.

Zudem kannst du dein Kind in der Küche anleiten. Schon Kleinkinder helfen gerne mit und mögen es, in Aktivitäten einbezogen zu werden. Gib deinem Schatz doch eine Schüssel mit Salat zum Zupfen. Oder lass ihn mit ungefährlichem Küchenzubehör wie Pfannenwender oder Rührbesen spielen.

Schutz vor Vergiftungen

Das Putzmittel hat eine verführerische Farbe und die Seife duftet köstlich. Vergiftungsunfälle sind bei Kindern leider keine Seltenheit. Denn vor allem Babys und Kleinkinder nehmen vieles in den Mund, um ihre Umwelt zu erleben und zu schmecken. Stelle daher Reiniger, Alkohol oder auch Waschmittel möglichst unterreichbar für dein Kind. Das kann ein hohes Regalbrett sein oder auch ein abschließbarer Schrank. Für Schränke gibt es zudem Sicherungen, die nachträglich eingebaut werden können. Damit machst du auch deine Toilette kindersicher. Denn so unglaublich es sich auch anhört: Viele Kinder schauen klappen gerne den Klodeckel hoch und kosten dann das Wasser oder den Duftstein. Auch Pflanzen stellen ein Risiko dar. Blumenerde oder Dünger enthalten Giftstoffe. Hier verhindern ein Blumentopfschutz oder Pflanzenschutz-Netz, dass dein Kind in die Erde greift. Für den Fall, dass dein Kind doch etwas probiert, kannst du dir die Kontaktdaten der Giftnotrufzentrale notieren. Hier findest du die Liste für die verschiedenen Bundesländer.

Bilder: Getty

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