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Großeltern – so klappt’s trotz unterschiedlicher Ansichten

Text: Kirsten Hemmerde
Eine tolle Großeltern-Enkel-Bindung ist wunderbar für die ganze Familie. Kinder profitieren besonders vom Umgang mit Oma und Opa. Doch was tun, wenn es unterschiedliche Ansichten bei Erziehung oder der Auslegung von Regeln gibt?

Das Kleinkind hat am Nachmittag zwei Eis gegessen oder das Kitakind kommt völlig übermüdet von der Übernachtung zurück? Wie es gar nicht erst zu Konflikten zwischen Eltern und Großeltern kommt, was du bei drohenden Konflikten tun kannst und warum zwischendurch auch tiefes Durchatmen hilft – all das erfährst du in diesem Beitrag.

Wenn aus Eltern Großeltern werden, erkennt viele ihre eigenen Vater oder die eigene Mutter nicht mehr wieder. Da wird der Enkel mit Süßigkeiten verwöhnt, erhält außer der Reihe neues Spielzeug oder darf bei der Übernachtung besonders lange aufbleiben. „Das durfte ich als Kind aber nicht“, denken sich viele Väter oder Mütter, wenn sie sich an ihre eigene Kindheit und Erziehung zurückerinnern. Zudem haben sie oft das Gefühl, anschließend alles wieder geraderücken oder ausbaden zu müssen. Das muss nicht sein. Oft kann es helfen, sich zunächst einmal zurückzunehmen, tief durchzuatmen und die Situation zu analysieren. Dabei helfen dir folgende Gedanken:

Darum sind Großeltern so wertvoll für dein Kind

Auch wenn es gerade einmal ein paar Punkte gibt, die du im Umgang von Eltern oder Schwiegereltern mit deinem Kind nicht gut findest: Nimm dir einen kurzen Augenblick für den ersten Perspektivwechsel. Schau einmal aus den Augen deines Kindes. Das sind die Gründe, aus denen dein Kind von seinen Großeltern unglaublich profitiert:

  • Zeit: Oft haben Großeltern mehr Zeit. Wenn sie selbst keine Kinder mehr betreuen müssen oder vielleicht auch schon nicht mehr berufstätig sind, können sie sich deinem Schatz besonders intensiv widmen. Da wird stundenlang gepuzzelt, im Kinderwagen durch den Park gefahren oder auch ausgiebig die freche Katze in Nachbars Garten bestaunt. Dafür fehlt vielen Eltern die Zeit, denn mit Haushalt, Beruf und Kinderbetreuung gibt es eine Menge zu tun. Kinder genießen es, wenn Opa oder Oma nur für sie da sind und gemeinsam mit ihnen in ihre Welt eintauchen.
  • Freiheiten: Kannst du dich noch daran erinnern, als du mit deinen Großeltern einen Film geschaut hast, für den du eigentlich noch zu jung warst? Oder als sie dir heimlich Schokolade zugesteckt haben, weil dir das Mittagessen nicht geschmeckt hat? Sicherlich fällt dir auch etwas ein, bei dem deine Großeltern zu deiner großen Freude Dinge viel lockerer gesehen haben als deine Eltern. Diese Freiheiten nehmen sie sich, weil sie ihre Enkel nicht erziehen müssen (das machst ja schließlich du), sondern sie verwöhnen möchten. Deshalb lieben viele Enkel ihre Omas und Opas ganz besonders.
  • Soziale Kompetenz: Dein Kind lernt ganz automatisch und selbstverständlich, dass bei den Großeltern andere Regeln gelten als bei dir. So gelingt es ihm, Situationen richtig einzuschätzen und zwischen verschiedenen Ebenen zu unterscheiden. Das ist eine wichtige soziale Kompetenz. Da Oma und Opa oft aufgrund ihres Alters nicht mehr so fit sind wie Papa und Mama, lernt dein Kind ganz nebenbei, Rücksicht zu nehmen.

Schau einmal aus den Augen deiner (Schwieger-)Eltern

Versuche auch in einem ruhigen Moment, die Perspektive deiner Eltern beziehungsweise Schwiegereltern einzunehmen. War es vielleicht so, dass sie viel gearbeitet haben, Angehörige gepflegt haben oder familiär eingebunden waren und daher wenig Zeit für ihre eigenen Kinder hatten? Wenn aus Eltern Großeltern werden, möchten viele Omas und Opas diese Phase nun besonders genießen. Denn ihnen ist bewusst, dass ihre eigenen Kinder manchmal zu kurz gekommen sind. Da sie jetzt mehr Zeit – und oft auch mehr Geld – haben, geben viele von ihnen beides gerne ihren Enkeln. So erleben sie diese Zeit intensiv und holen oft auch das nach, was sie vermeintlich ihren eigenen Kindern nicht ausreichend geben konnten. Sie freuen sich über gemeinsame Besuche in der Eisdiele, dem Freizeitpark oder dem Kino – Dinge, die sie mit dir oder deinem Partner früher vielleicht nicht oder kaum machen konnten.

So klappen Regeln und Absprachen zwischen Eltern und Großeltern

Nun kannst du sorgfältig prüfen, welche Regeln für dich und euer Kind wirklich wichtig sind.  Darauf kommt es bei der Absprache zwischen Eltern und Großeltern an:

  • Priorität: Wenn es um die Betreuung deines Kindes geht, gibst du den Großeltern idealerweise nur so viele Regeln mit auf den Weg wie nötig. Was hat für dich und deinen Schatz Priorität? Das kann bei Kleinkindern der pünktliche Mittagsschlaf sein, ohne den der Tages- und Nachtrhythmus sonst völlig durcheinandergerät. Erkläre den Großeltern jedoch immer die Hintergründe, warum du auf dieser Regel bestehst. Das erleichtert das gegenseitige Verständnis.
  • Update: Einige Dinge haben sich bei der Kindererziehung in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Hierüber solltest du dich mit den Großeltern liebe- und verständnisvoll abstimmen. So lässt man Babys heute nicht mehr schreien und gibt Kleinkindern auch keinen Honig mehr auf den Schnuller.
  • Vertrauen: Deine (Schwieger-)Eltern haben deinen Partner oder dich großgezogen und verfügen daher über einen großen Erfahrungsschatz. Du kannst darauf vertrauen, dass sie auch für dein Kind nur das Beste möchten.
  • Gönnen: Gönn den Großeltern, dass sie bei deinem Kind besonders beliebt sind. Dass sie vielleicht außer der Reihe ein Spielzeug kaufen oder endlich mal wieder in den Zoo gehen. Erinnere dich daran, wie glücklich du als Kind gewesen wärst, hätten deine Eltern das mit dir unternommen. So gönnst du auch deinem Kind ein tolles Erlebnis.
  • Zeit: Kläre mit den Großeltern im Vorfeld, wie viel Zeit sie mit deinem Kind verbringen möchten. Denn oft entstehen Konflikte aus Missverständnissen. Viele Omas und Opas sind noch rüstig und möchten vielleicht auch verreisen oder etwas ohne Enkel unternehmen. Andere wiederum möchten, dass der Enkel am liebsten jeden Tag vorbeischaut. Hier hilft es, rechtzeitig über die zeitlichen Erwartungen und Möglichkeiten auf beiden Seiten zu sprechen.
  • Konflikte: Wogen sollten geglättet werden, bevor sie sich zu einem Sturm auftürmen – möglichst neutral, sachlich und ohne Vorwürfe. Verwende Ich-Botschaften statt Du-Vorwürfe:  „Ich merke, dass Luis nach einem Besuch bei euch abends keine Hunger mehr hat – was können wir da machen?“ anstelle von „Ihr gebt dem Kind nachmittags immer viel zu viele ungesunde Süßigkeiten“.

Toleranz auf beiden Seiten

Toleranz ist bei Enkeln auf beiden Seiten erforderlich – von Eltern wie von Großeltern. Das zu vermitteln, kann eine Gradwanderung sein. Hilfreich ist es,  nach Kompromissen oder Alternativen zu suchen. Ein Beispiel dafür ist das mutmaßliche Verwöhnen: Viele Omas und Opas möchten ihrem Enkel etwas Gutes tun und kaufen daher Spielzeug, Bücher oder Süßigkeiten. Das zu verbieten, wäre vermutlich ein Schlag ins Gesicht. Aber vielleicht können die Großeltern statt dem xten Spielzeug das nächste Mal die heißersehnte Bettwäsche der Lieblingszeichentrickfilmfigur kaufen? Oder das schon lang gewünschte T-Shirt, die leuchtend gelben Kinderschuhe oder das Prinzessinnen-Kleid? Eine Alternative kann es auch sein, das Geld auf ein eigenes Sparkonto einzuzahlen. So hat das Kind später einen guten Startbetrag, um sich einen größeren Wunsch zu erfüllen. Welche Wege, Alternativen oder Kompromisse für euch am besten sind, entscheidet ihr alle gemeinsam.

 

Bilder: Getty

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