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Wütende Kinder – Trotzphase oder Problemverhalten?

Text: Julia Weise-Holtgräwe
Gefühlsausbrüche sind ganz normal. Aber wie erkennen Eltern, ob sich das Kind gerade nur in einer Trotzphase befindet oder die Wut des Kindes ein Problemverhalten darstellt?

Jedes Kind testet seine eigenen Gefühle aus. Mit den ersten Wutanfällen beginnt die Phase in die Selbstständigkeit. Das Kind lernt, dass es einen eigenen Willen hat und diesen mit Wut äußern kann. Das ist gut und gesund und gehört zur natürlichen Entwicklung des Kindes. Auf die Wut des Kindes folgen Reaktionen des Umfeldes und auch diese sind durchaus spannend für das Kind.

Gesunde Aggression und Trotzphasen

Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr ist die sogenannte Trotzphase gesund und eine temporäre Phase. Auch Zornesausbrüche sind bis zu einem gewissen Grad gesund und richtig. Wird dem Kind im Sandkasten das Spielzeug weggenommen und reagiert es angemessen wütend darauf, ist das unbedingt notwendig für die Entwicklung des Kindes. Ebenso die Trotzphase gegenüber den Eltern, Geschwistern und anderen Menschen im sozialen Umfeld.

Außerdem ist jedes Kind individuell. Reagiert das eine Kind gelassen auf eine Situation, mit der es nicht zufrieden ist, macht das andere Kind seinem Ärger lautstark Luft. Auch das ist bis zu einem gewissen Maß normal, denn auch wir Erwachsenen reagieren unterschiedlich auf gleiche Situationen.

Ursachen für wütende Kinder

Es gibt natürlich ganz unterschiedliche Gründe, warum dein Kind wütend reagiert. Um zu wissen, wie du mit der Situation am besten umgehst, ist es wichtig die Gründe zu verstehen.

Woher kommen Wut und Aggressionen?

Zunächst einmal musst du herausfinden woher die Wut deines Kindes kommt. Die Ursachen können vielfältig sein.

  • Enttäuschung
  • Verbote
  • Familiäre Hintergründe
  • Vorgelebtes Verhalten
  • Überforderung
  • Angst
  • Keine Regeln und Grenzen
  • Veränderungen im Umfeld

Jede Ursache hat eine Berechtigung und es ist ganz normal, dass dein Kind wütend ist. Jetzt kommt es auf dich und deine Reaktion an. Deine Reaktionen tragen entscheidend dazu bei, dass dein Kind lernt mit seiner Wut umzugehen und Enttäuschungen verarbeiten zu können.

Wut und Aggression bei Kindern – wie gehst du am besten damit um?

Auch wenn ein Wutanfall eine ganz normale Reaktion ist, ist es für Eltern nicht immer einfach damit umzugehen. Hier folgen ein paar Tipps, wie du reagieren solltest.

Bleib ruhig, auch wenn es manchmal schwerfällt

Ja, manchmal könnte man auch als Eltern aus der Haut fahren, aber wenn du es schaffst ruhig zu bleiben, bist du deinem Kind ein Vorbild. Sprich mit ruhiger Stimme mit deinem Kind und teile ihm mit, dass du seine Wut verstehst. Vielleicht könnt ihr ins Gespräch kommen und eine Lösung finden.

Ein Nein bleibt ein Nein

Ist dein Kind wütend, weil es seinen Willen nicht bekommt, erscheint es als die einfachste Lösung nachzugeben und aus einem Nein ein Ja zu machen. Allerdings würde dein Kind dann lernen, dass seine Wut zum Erfolg führt. Sprich mit deinem Kind und erkläre ihm dein Nein. Zeig deinem Kind, dass du seine Enttäuschung verstehst, aber bleib dennoch konsequent.
Es gibt aber ganz unterschiedliche Arten, ein Nein auszusprechen. Irgendwann lernst du, Wutanfälle vorherzusehen und kannst vielleicht schon bestimmten Situationen vermeiden.

Gib der Wut deines Kindes einen Raum

Ist dein Kind wütend, wird eine Bestrafung diese Wut sicher nicht besser machen, sondern verstärken. Dein Kind ist in diesem Moment so sehr mit seinen Gefühlen beschäftigt, dass eine Bestrafung es zusätzlich belastet. Versuche der Wut deines Kindes einen Raum zu geben und signalisiere deinem Kind, dass auch negative Gefühle ausgelebt werden dürfen.

Wie gehst du mit deiner eigenen Wut um?

Wie wirst du als Elternteil wütend? Neigst du dazu laut zu werden, Schimpfwörter zu nutzen und unsachlich zu werden? Beobachte dich und deinen Partner und reflektiere, wie ihr mit eurer Wut umgeht. Vielleicht seid ihr ein schlechtes Beispiel und euer Kind lernt sein Verhalten von euch. Lebe vor, was du dir für und von deinem Kind wünschst.

Wutanfälle und Aggressionen, die außer Kontrolle geraten

Was machst du, wenn dein Kind unangemessen wütend wird? Die Türen knallen, Sachen werden durch das Zimmer geworfen oder dein Kind wird handgreiflich. Zum Zeitpunkt der Wut und Aggression ergibt es keinen Sinn auf dein Kind einzureden. Du bist wütend, dein Kind ist wütend und wenn du deiner Wut jetzt freien Lauf lässt, kann die Situation nur eskalieren. Meist beruhigen sich Kinder nach ein paar Minuten und jetzt kannst du mit deinem Kind sprechen.

Erkläre deinem Kind, dass du sein Verhalten nicht akzeptierst, und findet eine Lösung wie dein Kind in Zukunft angemessen mit seiner Wut und Aggression umgehen kann. Vermittle deinem Kind, dass du es nicht weniger liebst, sondern sein Verhalten nicht gut findest. Erkläre deinem Kind, dass Wut und Enttäuschung niemals eine Rechtfertigung für Schläge, Tritte, Schubsen, Bisse oder andere Handgreiflichkeiten sind. Mache ganz klar, dass du das Verhalten nicht tolerierst.

Hältst du eine Strafe für angemessen, sollte sich die Strafe immer auf die Sache selbst beziehen. Hat dein Kind mit seinem Wutausbruch eine Sache beschädigt, beteilige es in angemessener Höhe am Ersatz. Ist die Lieblingssendung mittlerweile vorbei, muss dein Kind bis zum nächsten Mal warten.

Hilfe holen, wenn Wut und Aggressionen zur Ausgrenzung führen

Wenn Wut und Aggressionen zur Ausgrenzung führen, dein Kind in die Außenseiterrolle gerät und ihr Zuhause keine Lösung findet, dann lasst euch als Familie helfen. Mit zunehmend aggressivem Verhalten des Kindes entwickelt sich ein Kreislauf aus Ohnmacht und Enttäuschung auf beiden Seiten, die wiederum erneut zu wütenden Kindern führt. Frustrierte und enttäuschte Eltern können nicht mehr angemessen reagieren. Ein Familientherapeut kann euch unterstützen und es ist überhaupt nicht schlimm, wenn ihr euch als Eltern Hilfe sucht. Ganz im Gegenteil, Eltern, die reagieren und das Problem konstruktiv in Angriff nehmen, machen genau das Richtige. Je früher der Kreislauf durchbrochen werden, desto besser für dein Kind und euch als Familie und Eltern.

So kannst du als Eltern Wut und Aggression vorbeugen

Du kannst vorbeugen und dein Kind friedfertig erziehen. Vermittle deinem Kind Sicherheit und Geborgenheit und gib ihm genug Liebe und Zuwendung. Gehe fair und aggressionslos mit deinem Partner / deiner Partnerin um. Fördere und fordere dein Kind hinsichtlich seiner Begabungen und Interessen. Lasse Streit, Raufereien und Gerangel zu, aber sorge für einen fairen Umgang und Rahmen.

Grundsätzlich gilt, selbstbewusste und ausgeglichene Kinder neigen deutlich seltener zu Wut und Aggressionen.

 

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