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Hämorrhoiden während und nach der Schwangerschaft

Text: Julia Weise-Holtgräwe
Warum du dich nicht schämen musst, wie Hämorrhoiden entstehen und was du dagegen tun kannst, erklären wir dir hier.

Freund und Leid liegen nah beieinander

Rund die Hälfte aller Schwangeren leidet unter Hämorrhoiden während und nach der Schwangerschaft. Eine sehr unangenehme und schmerzhafte Erfahrung und obwohl so viele Frauen betroffen sind, sind Hämorrhoiden während und nach der Schwangerschaft ein „Tabuthema“. Wenige Frauen sprechen offen darüber und viele scheuen sogar den Gang zum Arzt.

Was sind die Ursachen für Hämorrhoiden während und nach der Schwangerschaft?

Grundsätzlich können Hämorrhoiden jeden treffen, ganz gleich welchen Alters und Geschlechts. Frauen sind in und nach der Schwangerschaft jedoch relativ häufig betroffen. Das einzig Positive an der unangenehmen Begleiterscheinung der Schwangerschaft, Hämorrhoiden haben keinen Einfluss auf die Gesundheit deines Babys. Und doch können sie manche Tage der Schwangerschaft ganz schön belasten.

Meist treten Hämorrhoiden im letzten Drittel der Schwangerschaft auf. In diesen drei Monaten arbeitet das Hormon Progesteron, das Gewebe, Gefäße, Beckenboden und Muskulatur lockert. So schafft das Hormon Progesteron Platz für dein Baby. Nur sind davon leider auch die Gefäßpolster im After betroffen, die nun leichter hervortreten. Zusätzlich übt die immer größer werdende Gebärmutter Druck auf das Hämorrhodialpolster aus. Das Blut fließt schlechter ab und es kann zu Stauungen kommen. Außerdem wird das Hämorrhoidalleiden durch Verstopfungen begünstigt, unter der Frauen während der Schwangerschaft leiden können.

Die Geburt selbst schafft dann noch eine weitere Begünstigung für Hämorrhoiden, denn durch das starke Pressen treten die Hämorriden auch hervor.

Was sind Hämorrhoiden? Definition und Schweregrade

Gemeinsam mit dem Schließmuskel übernehmen Hämorrhoiden eine sehr wichtige Aufgabe. Sie dichten den After ab und sorgen so für Stuhlkontinenz. Die gut durchbluteten Gefäßpolster, genau das sind Hämorrhoiden, befinden sich am Ende des Darms und werden normalerweise nicht wahrgenommen.

All die Menschen, die nicht von ihnen gequält werden, wissen vermutlich gar nicht, dass Hämorrhoiden ein Teil ihres Körpers sind. Spricht man von Hämorrhoiden, sind damit in der Regel die Beschwerden gemeint, denn treten sie nicht in Erscheinung, nehmen wir sie gar nicht wahr. Eigentlich müsste es richtig „Hämorrhoidalleiden“ heißen.

Symptome, die das Hämorrhoidalleiden verursacht

Das Hämorrhoidalleiden kann verschiedene Symptome im Afterbereich verursachen. Manche Menschen leiden nur unter einem Symptom, bei anderen treten gleich mehrere auf. Hämorrhoiden könne nach außen auftreten, aber auch innen im Darm. Auch eine Kombination kann möglich sein.

  • Juckreiz
  • Schmerzen
  • Blutungen
  • Stuhlschmieren

Schweregrade von Hämorrhoiden – die vier Stufen des Hämorrhoidalleidens

Grad 1: Die Hämorrhoiden sind noch sehr klein und von außen nicht sichtbar und von innen nicht tastbar.

Grad 2: Die Knoten werden größer und treten während des Stuhlgangs nach außen hervor. Nach dem Stuhlgang ziehen sie sich wieder zurück. Es kann ein feuchtes Milieu um den After entstehen und der Darmausgang ist möglicherweise nicht mehr ganz abgedichtet. Jetzt treten Symptome wie Juckreiz, Brennen, Ekzeme, Blutungen und Schmerzen beim Stuhlgang auf.

Grad 3: Die Gefäßpolster werden jetzt immer größer und schieben sich während des Stuhlgangs nach außen. Im dritten Schweregrad verbleiben sie vor dem After. Sie lassen sich mit dem Finger zurückschieben, ziehen sich aber nicht mehr allein zurück. Die Schmerzen können nun stärker werden, es kann zu Blutungen, Schleimabgang und Stuhlschmieren kommen.

Grad 4: Die Gefäßpolster sind nun stark vergrößert und verbleiben dauerhaft vor dem After. Sie lassen sich jetzt nicht mehr zurückschieben und der After schließt nicht mehr richtig. Die Schmerzen werden stärker, es kann zu Stuhlinkontinenz kommen. Begleitet wird das Hämorrhoidalleiden in Schweregrad 4 von Juckreiz und Blutungen. Häufig nehmen Betroffene das Gefühl eines Fremdkörpers wahr.

Was kannst du gegen das Hämorrhoidalleiden tun?

Du kannst Hämorrhoiden aktiv vorbeugen und trifft es dich trotzdem, suche bitte deine Ärztin oder deinen Arzt auf. Das muss dir weder unangenehm noch peinlich sein. Denke immer daran, dass rund 50 % aller Schwangeren betroffen sind.

Hämorrhoiden vorbeugen

Diese vier Tipps haben sich bewährt und können Hämorrhoiden effektiv vorbeugen.

  1. Ernähre dich ballaststoffreich und vermeide Verstopfungen. Bei einer Verstopfung wirst du automatisch versuchen zu pressen und genau das begünstigt Hämorriden. Trinke außerdem viel, mindestens einen Liter mehr als du sonst trinkst. Solltest du dennoch unter einer Verstopfung leiden, nimm bitte keine Abführmittel ohne Absprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
  2. Beuge einem trägen Darm mit viel Bewegung vor. Gehe spazieren, fahre manche Wege mit dem Fahrrad statt mit dem Auto und / oder mache sanften Sport.
  3. Entspanne dich während des Toilettengangs. Zunächst nimm eine gehockte Haltung ein. Du kannst dir es einfacher machen in dem du einen Hocker oder zwei dicke Bücher vor die Toilette stellst. Stelle deine Füße darauf und lehne dich leicht nach vorne. Versuche nicht zu pressen. Hast du einen Tag keinen Stuhlgang, warte bis zum nächsten Tag. Du musst nicht jeden Tag Stuhlgang haben. Und der Sache Ruhe zu geben ist manchmal hilfreicher als starkes Pressen. Zusätzlich kannst du eine fettende Creme auf den After auftragen. Das erleichtert den Toilettengang ebenfalls.
  4. Stärke deine Muskulatur und mache Beckenbodentraining. Je stärker deine Beckenbodenmuskulatur ist, desto geringer die Gefahr der Hämorrhoidenbildung. Außerdem erzielst du einen schönen Nebeneffekt, denn auch deine Gebärmutter und Blase profitieren.

Hämorrhoiden ärztlich behandeln lassen

Die Symptome der Hämorrhoiden können auch andere Ursachen haben. Hast du den Verdacht unter Hämorriden zu leiden, besprich das mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Die Frauenärztin / der Frauenarzt werden andere Ursachen für deine Symptome ausschließen und dir die weitere Behandlung empfehlen. In Frage kommt ein entzündungshemmendes Medikament in Form von Zäpfchen oder Salben. Bei langanhaltenden Beschwerden wird dich deine Ärztin / dein Arzt wahrscheinlich an einen Proktologen überweisen. Der Proktologe kann dann empfehlen die Hämorriden zu vereisen, veröden oder operativ zu entfernen. Mach dir aber bitte keine Sorge, denn in den meisten Fällen verschwinden die Hämorrhoiden nach der Geburt wieder.

 

So kannst du dein Leiden lindern

Leider verschwinden Hämorrhoiden auch mit ärztlicher Behandlung nicht von einem Tag auf den anderen. Aber du kannst deine Schmerzen lindern.

Hygiene

Achte nach dem Toilettengang sorgfältig auf die Hygiene. Verwende unparfümiertes und weiches Toilettenpapier und wasche deinen Afterbereich mit lauwarmem Wasser. Du kannst auch Sitzbäder machen, zum Beispiel mit Kamille oder Eichenrindenextrakt. Ob du die Sitzbäder nach der Geburt machen kannst, sprichst du am besten mit deiner Hebamme oder deinem Entbindungspfleger ab.

Kälte

Kühle deinen Afterbereich. Du kannst dazu einen Kühlakku oder Eis aus dem Gefrierfach in ein sauberes Handtuch wickeln und vorsichtig an deinen Afterbereich legen. Bitte lege den Kühlakku oder das Eis nie direkt auf die Hämorrhoiden. Das kann zusätzliche Schäden anrichten. Alternativ hilft auch Quark, der kühlt und entzündungshemmend wirkt.

Richtig sitzen

Auch wenn du das Bedürfnis hast möglichst weich zu sitzen, ist genau das verkehrt. Auf einem weichen Stuhl oder Sessel hängt das Gewebe durch und dein Hämorrhoidenleiden kann sich verschlimmern. Besser ist ein harter Stuhl oder ein Hämorrhoidenkissen. Das Hämorrhoidenkissen solltest du nicht den ganzen Tag verwenden, da es zu mangelnder Durchblutung kommen kann. Das wiederum verlangsamt den Heilungsprozess.

Creme

Sind die Hämorrhoiden stark ausgeprägt, kann es sein, dass du eine Reibung verspürst. Du kannst dagegen fetthaltige Cremes verwenden und natürlich auch spezielle Hämorrhoiden Salben, die du in der Apotheke kaufen kannst. Hämorrhoiden Salben, die in der Apotheke frei verkäuflich sind, wirken mit natürlichen Inhaltsstoffen, die du in der Schwangerschaft anwenden kannst.

Das solltest du niemals tun: dich schämen!

Hämorrhoiden während und nach der Schwangerschaft sind kein schönes Thema. Aber das muss nicht unangenehm sein. Wende dich an deine Ärztin oder deinen Arzt oder sprich mit deiner Hebamme oder deinem Entbindungspfleger. Je früher du dir Hilfe suchst, desto besser lassen sich Hämorrhoiden behandeln.

Bilder: Getty

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