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Geburtsbegleitung – wer soll bei der Geburt dabei sein?

Text: Kirsten Hemmerde
Wenn du dein Kind zur Welt bringst, ist das oft eine emotionale und körperliche Achterbahnfahrt. Gut, wenn du hier die richtige Geburtsbegleitung an deiner Seite hast.

Du erwartest dein erstes Kind? Oder bist bald Mehrfach-Mami? Sicherlich machst du dir Gedanken über die bevorstehende Entbindung. Denn dieses Ereignis ist oft wie eine Wundertüte und lässt sich im Vorfeld kaum planen. Vielen Frauen verleiht es zusätzliche Sicherheit, wenn sie eine einfühlsame Geburtsbegleitung dabei haben. Idealerweise kennt dich diese Person gut, unterstützt dich und vermittelt auch zwischen dir und dem medizinischen Fachpersonal.

Partner als Geburtsbegleitung – ja oder nein?

In den meisten Fällen begleitet der Partner seine schwangere Frau bei der Entbindung. Das hat viele Vorteile:

  1. Emotionale Unterstützung: Dein Partner ist deine Vertrauensperson. Ihr habt eine starke emotionale Verbindung, sodass er dir bei der Geburt viel Sicherheit, Trost und Geborgenheit bieten kann. Ob Hand halten, eine Rückenmassage, aufmunternde Worte oder ein Getränk reichen – diese vermeintlichen Kleinigkeiten sind Gold wert.
  2. Gemeinsame Erfahrung: Die Geburt eines Kindes ist ein einschneidendes Erlebnis in eurer Beziehung. Wenn ihr gemeinsam durch diesen Prozess geht, kann das eure Bindung noch stärken.
  3. Vertrautheit: Dein Partner kennt deine Bedürfnisse. Gemeinsam könnt ihr daher Entscheidungen treffen. Er weiß, ob du Wärmekissen liebst, die Badewanne hasst oder zwischendurch viel zu trinken brauchst.
  4. Kommunikation: Während der Entbindung müssen einige Dinge mit dem medizinischen Team oder der Hebamme abgesprochen werden. Wenn du dich gerade auf die Geburt konzentrierst, kann dein Partner hier viel übernehmen. Denn ihr habt euch vorher abgestimmt – ob du zum Beispiel eine PDA möchtest, welche Medikamente du nicht verträgst oder welche Geburtspositionen du bevorzugst.

Dein Partner sollte dich nicht begleiten, wenn…

Auf der anderen Seite ist der eigene Partner nicht immer die beste Option als Geburtsbegleitung. Gegen ihn an deiner Seite spricht zum Beispiel die emotionale Belastung und eine damit einhergehende Überforderung. Nicht jeder kann es aushalten, die Partnerin schmerzerfüllt während der Wehen zu erleben. Manche Personen vertragen es auch nicht gut, Blut oder andere Begleiterscheinungen einer Entbindung zu sehen. Sprecht vor der Geburt offen und ehrlich darüber. Denn ein unsicherer Partner, dem womöglich schlecht und schwindelig wird, ist dir keine Unterstützung. Zudem hat das medizinische Personal oft nicht die Kapazität, sich um ihn zu kümmern – schließlich ist es für dich und dein Baby da. Hat dein Partner Bedenken, kannst du dich nach einer anderen Geburtsbegleitung umschauen.

Mit der Familie zur Entbindung

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, deine Mutter, Schwester oder Schwägerin als Geburtsbegleitung mitzunehmen? Wenn ihr euch gut versteht, kann das eine prima Option sein. Als Frauen kennen sie den weiblichen Körper. Wenn sie vielleicht selbst schon ein Kind zur Welt gebracht haben, können sie sich besonders gut in deine Lage hineinversetzen und dir wertvolle Tipps geben. Oft fragt die Familie – während du in den Wehen liegst – wie denn nun der Stand der Dinge ist. Hier kann das Familienmitglied, das dich begleit, die Kommunikation mit den Angehörigen übernehmen.

Eine gute Freundin an deiner Seite

Zusammen durch dick und dünn – auch deine gute Freundin kann deine Geburtsbegleitung sein. Sie kennt dich in- und auswendig, vermittelt dir Vertrauen und Sicherheit. Zudem sind gute Freundinnen besonders einfühlsam. Das ist in einem sensiblen Moment wie der Geburt sehr wichtig. Hier kommt nicht jede Person in Frage. Deine Freundin sollte emotional stabil und in der Lage sein, ruhig und unterstützend zu bleiben – auch wenn unvorhergesehene Situationen eintreten. Hier hilft im Vorfeld ein offenes Gespräch. Frage deine Freundin, ob sie sich in dieser Rolle wohl fühlt.

Doula ist professionelle Geburtsbegleitung

Noch relativ neu bei uns ist das Konzept der Doulas zur Geburtsbegleitung. Der Begriff „Doula“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Dienerin“. Die Doula ist während der gesamten Geburt an deiner Seite und rückt dich mit deinen Bedürfnissen in den Fokus. Das sind einige ihrer Hauptaufgaben:

  1. Körperliche und emotionale Unterstützung: Während der Geburt kann dir deine Doula mit Massagetechniken, Berührungen, Positionsvorschlägen und Tipps dabei helfen, Schmerzen zu lindern und den Geburtsprozess zu erleichtern. Ihre Anwesenheit wirkt oft beruhigend und tröstend.
  2. Kontinuierliche Anwesenheit: Im Gegensatz zu medizinischem Personal, das während der Geburt oft wechselt, bleibt deine  Doula kontinuierlich an deiner Seite. Diese verlässliche Begleitung empfinden viele Frauen als besonders hilfreich.
  3. Information und Beratung: Die Doula ist eine geburtserfahrene Person. Sie kennt sich aus mit dem Geburtsprozess, Geburtspositionen, Atemtechniken und Schmerzlinderungsmethoden. Dieses Wissen teilt sie mir dir und hilft dir so,  Entscheidungen zu treffen und mit dem medizinischen Team zu kommunizieren.
  4. Postnatale Unterstützung: Die Doula kann dir und deinem Baby auch nach der Geburt mit ihrem Wissen zur Seite stehen.

Doulas verfügen in der Regel über Geburtserfahrung und haben oft eine Zertifizierung – sind allerdings kein medizinisches Fachpersonal. Erkundige dich am besten schon weit vor der Geburt nach einer Doula – zum Beispiel beim Verein Doulas in Deutschland. Dann schließt du einen Vertrag mit der Expertin. Die Kosten musst du meist selber tragen. Frage aber vorher bei deiner Krankenkasse nach – vielleicht übernimmt die Versicherung die Kosten der Rufbereitschaft.

Eine Hebamme ganz für dich alleine

Du möchtest eine bestimmte Hebamme, die bei der Geburt ausschließlich für dich da ist? Dann könnte das Konzept der Begleit-Beleghebamme für dich in Frage kommen. Diese Hebamme arbeitet selbstständig und hat mit einer Geburtsklinik einen Vertrag abgeschlossen. Daher darf sie die Einrichtungen dieses Krankenhauses nutzen. Indem du mit der Beleghebamme einen Vertrag abschließt, entscheidest du dich daher auch für eine bestimmte Geburtsklinik. Beginnt deine Geburt, informierst du deine Hebamme. Sie macht sich auf den Weg und begleitet dich bei der Entbindung. Da ihr euch schon während der Schwangerschaft kennen gelernt habt, hast du hier ein bekanntes und vertrautes Gesicht als Geburtsbegleitung. Weiterer Vorteil ist, dass die Hebamme bestimmte medizinische Aufgaben übernehmen darf. Nachteil: In Deutschland gibt es sehr wenige Begleit-Beleghebammen. Erkundige dich rechtzeitig, ob dir eine solche Expertin für deine Geburt zur Verfügung steht.

Fotos: Gettyimages

ÜBER Kirsten Hemmerde

Kirsten kennt als Mama von zwei Jungs sowohl die schönen als auch die chaotischen Seiten des Familienlebens. Die gelernte Journalistin wohnt mit ihrer Familie im Ruhrgebiet, urlaubt gerne in Holland und genießt es, mit ihren Kindern in die bunte Welt aus Bausteinen, Büchern und Basteleien einzutauchen.

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