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Hyperemesis gravidarum: Das hilft bei schwerer Schwangerschaftsübelkeit

Text: Kirsten Hemmerde
Vielen Frauen ist während der Schwangerschaft flau im Magen. Doch einige von ihnen leiden unter einer besonders schweren Form von Schwangerschaftsübelkeit, die gesundheitsgefährdend sein kann.

Die wohl prominenteste Betroffene von schwerer Schwangerschaftsübelkeit ist Herzogin Kate. In ihren drei Schwangerschaften litt sie unter Hyperemesis gravidarum und musste mehrfach im Krankenhaus behandelt werden. Das Beispiel zeigt: Mit dieser Krankheit bist du nicht alleine. Ja genau – diese Form der Übelkeit ist eine Krankheit. Und kein lapidares Schwangerschaftsproblemchen, das mit etwas frischer Luft und Bewegung von alleine wieder weggeht. Rund 85 Prozent aller Schwangeren berichten von Übelkeit und Erbrechen. Bei bis zu zwei Prozent der werdenden Mütter wird eine Hyperemesis gravidarum (HG) festgestellt. Je nach Schweregrad ist eine Behandlung durch den Arzt oder ein Krankenhausaufenthalt nötig, da Mutter und Kind sonst nicht ausreichend versorgt werden können.

Die Symptome von Hyperemesis gravidarum

Eine schwere Schwangerschaftsübelkeit ist gekennzeichnet durch andauerndes und häufiges Erbrechen. Mehr als fünf Mal am Tag müssen sich diese Frauen übergeben. Das schlaucht. Viele Schwangere sind daher extrem müde. Sie reagieren besonders empfindlich auf Gerüche und müssen schnell würgen. Zudem beeinträchtigt die Krankheit oft auch die Lebensqualität. Denn viele Frauen pendeln nur noch zwischen Bett und Bad. Bei Hyperemesis gravidarum wird zwischen zwei Ausprägungen unterschieden. Bei HG Grad 1 müssen Frauen häufig erbrechen, ihnen ist übel und sie fühlen sich krank. In der Stufe HG 2 ist der Krankheitsverlauf so schwer, dass die Schwangere durch das häufige Erbrechen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen, Flüssigkeit und Elektrolyten versorgt wird. Viele Frauen verlieren stark an Gewicht und können sogar dehydrieren. Die Krankheit kann hartnäckig sein: Zwar bessern sich bei der Hälfte aller Betroffenen die Beschwerden im Laufe der 14. SSW. Bei 20 Prozent jedoch hält die Übelkeit die gesamte Schwangerschaft durch an.

Bei schwerer Schwangerschaftsübelkeit wird der Alltag massiv eingeschränkt | Bild: Getty

Sind die Ursachen für die schwere Schwangerschaftsübelkeit bekannt?

Die Gründe für eine schwere Schwangerschaftsübelkeit sind noch nicht bis ins letzte Detail erforscht. Es gibt jedoch mehrere Hinweise für Risikofaktoren, die Mediziner festgestellt haben:
– Viele Betroffene haben einen besonders hohen Wert des Schwangerschaftshormons hCG – das ist unter anderem bei Mehrlingsschwangerschaften der Fall.
– Das Alter spielt eine Rolle: Jüngere Schwangere leiden eher unter Hyperemesis gravidarum als ältere.
– Krankheiten der Mutter wie Asthma, Diabetes oder eine Infektion mit dem Keim Helicobacter pylori können Hyperemesis gravidarum begünstigen.
– Wenn du bereits in einer vorherigen Schwangerschaft unter schlimmer Übelkeit gelitten hast, ist das Risiko groß, dass es dich auch in weiteren Schwangerschaften erwischen wird.
Es gibt leider keine Möglichkeit, einer schweren Schwangerschaftsübelkeit vorzubeugen. Umso wichtiger ist es, diese Krankheit rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Beginn mit sanften Behandlungsmethoden

Bei Hyperemesis gravidarum der Stufe 1 kommen meist sanfte Behandlungsmethoden zum Einsatz. Entspannungsmethoden und eine geänderte Ernährung bringen vielen Frauen Linderung. So wird zunächst empfohlen, die Mahlzeiten auf mehrere kleine Portionen über den Tag zu verteilen. Das entlastet den Körper. Wenn die Auslöser der Übelkeit bekannt sind – oft sind das Gerüche wie Parfüms oder bestimmte Nahrungsmittel – sollten diese Faktoren vermieden werden. Gute Erfahrungen haben viele Frauen auch mit Heilpflanzen wie Ingwer oder Kamille, mit homöopathischen Mitteln, Akupunktur oder auch Massagen gemacht. Autogenes Training kann zudem helfen, sich und den Körper zu entspannen. Zeigen diese Methoden keinen Erfolg, hat der Arzt die Möglichkeit, Medikamente zu verschreiben. Mittel der Wahl sind Präparate mit den Wirkstoffen Doxylamin, Prodoxin, Dimenhydrinat oder Diphenhydramin. Wie immer in der Schwangerschaft sollten Arzneien nur nach Rücksprache mit oder nach Empfehlung durch den Arzt eingenommen werden. Wenn das Erbrechen besonders heftig ist, kann er bestimmte Wirkstoffe auch intravenös per Tropf verabreichen.

Bild: Getty

Besonders schwere Schwangerschaftsübelkeit erfordert Klinikaufenthalt

Hat die Schwangerschaftsübelkeit den Grad 2 erreicht, geht es den betroffenen Frauen meist richtig schlecht. Durch das häufige Erbrechen fehlen dem Körper Flüssigkeit und Nährstoffe. Viele Schwangere verlieren sogar an Gewicht, haben erhöhte Temperatur und fühlen sich benommen. Dieser Zustand ist nicht nur für die Mutter gefährlich, sondern auch für das ungeborene Kind. Denn der Embryo kann unter Umständen nicht mehr richtig versorgt werden. Daher wird in der Klinik zunächst per Infusion der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen. Auch Nährstoffe, Vitamine und Medikamente können über den Tropf verabreicht werden. Die Ärzte prüfen laufend den Zustand von Mutter und Kind, um gegebenenfalls die Therapie anzupassen. Auch psychologische Unterstützung kann ratsam sein, denn vielen Frauen geht es mental sehr schlecht.

Wie gefährlich ist die Krankheit für das Baby?

Viele werdende Mütter machen sich Sorgen, wie sich die schwere Schwangerschaftsübelkeit auf ihr Kind auswirkt. Ärzte geben Entwarnung: Rechtzeitig behandelt, besteht kaum Gefahr für das Baby. Wenn die Mutter mehr als fünf Prozent ihres Gewichts verliert, wurden niedrigere Geburtsgewichte, frühere Geburtstermine und längere Krankenhausaufenthalte nach der Geburt beobachtet. Daher ist es umso wichtiger, schnell medizinische Unterstützung zu suchen. Dann profitieren Mutter und Kind auch von den positiven Faktoren dieser eigentlich sehr unschönen Schwangerschaftsübelkeit: Denn Hyperemesis gravidarum steht für eine besonders stabile Schwangerschaft. Bei betroffenen Müttern kommt es deutlich seltener zu einer Fehlgeburt, Plazentainsuffizienz oder Gaumenspaltbildung.

Unterstützung suchen

Schwere Schwangerschaftsübelkeit ist eine Krankheit, die leider einfach hingenommen werden muss. Aber die Auswirkeungen auf die Lebensqualität sind massiv. Viele Schwangere leiden und werden sogar depressiv. Daher kann psychologische Unterstützung oder auch die Einnahme von Antidepressiva ratsam sein. Vielen Frauen hilft auch das Gespräch mit der Hebamme oder mit Leidensgenossinnen. Unter hyperemesis.de kannst du die Geschichte von Christiane Braun nachlesen, die in ihren beiden Schwangerschaften unter heftigster Übelkeit litt. Sie bietet auch ein Forum an, in dem sich Betroffene austauschen.

 

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