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Osteopathie für Babys – Besonders sanfte Heilmethode

Text: Kirsten Hemmerde
Mittlerweile übernehmen viele Krankenkassen eine osteopathische Behandlung von Babys. Die sanfte Methode soll dabei helfen, Verspannungen, Koliken oder Schlafstörungen zu behandeln. Hier erfahrt ihr mehr.

Jede fünfte Person in Deutschland war laut Forsa-Umfrage schon einmal bei einem Osteopathen in Behandlung. Die Zahl hat in den letzten Jahren beständig zugenommen. Denn längst hat sich herumgesprochen, dass die sanfte Behandlungsmethode bei vielen Beschwerden Linderung bringen kann. Unter den Patienten sind auch immer mehr Babys. Denn die Therapie, bei denen ausschließlich mit den Händen sanft die Beweglichkeit von Gelenken und Faszien wiederhergestellt wird, kann auch bei den ganz Kleinen große Wirkung entfalten. Laut Bundesverband Osteopathie sind die Behandlungsgründe vielseitig. Eltern suchen mit ihren Babys unter anderem wegen langanhaltendem Schreien der Kleinen, häufigem Erbrechen oder Dreimonatskoliken Hilfe beim Osteopathen. Auch wegen Fehlstellungen, eingeschränkter Motorik oder flachem Hinterkopf wird oft zu einem Besuch bei diesem Experten geraten.

Was ist Osteopathie?

Den osteopathischen Ansatz hat der amerikanische Arzt Dr. Andrew Taylor Still in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Er erkannte, dass für eine gute Körperbeweglichkeit das Gewebe eine entscheidende Rolle spielt. Dieses Verbindungsgewebe zwischen Muskeln, Sehnen, Bändern und Organen muss intakt und gut versorgt sein. Kommt es zu Störungen oder Verspannungen, beeinträchtigt das die Zirkulation und Zufuhr beispielsweise von Sauerstoff und Hormonen. Ziel der Osteopathen ist es, diese Bewegungseinschränkungen im Gewebe durch sanftes Tasten zu erfühlen und zu beseitigen. So können beispielsweise Herzschmerzen von der Brustwirbelsäule herrühren, Kopfschmerzen von einem verstauchten Fußgelenk oder Verdauungsprobleme von der Lendenwirbelsäule. Sind diese Blockaden gefunden und aufgelöst, setzt die Osteopathie auf die Selbstheilungskräfte des Körpers. Gegen Ende der 1980er Jahre verbreitete sich Osteopathie in Deutschland. Heute gibt es hierzulande mehrere tausend Osteopathen.

Wobei kann Osteopathie bei Babys helfen?

Wenn die Geburt anstrengend war – zum Beispiel, weil sie lange gedauert hat oder Hilfsmittel wie Saugglocke und Zange zum Einsatz kamen – stellen einige Kinderärzte eine Überweisung zum Osteopathen aus. Denn hier kann ein Grund für exzessives Schreien oder Schmerzen liegen. Bei der Geburt haben sich laut osteopathischer Lehre die noch beweglichen Knochen auf- und zugefaltet. Sind dabei an den Knochennähten Verklebungen oder Blockaden entstanden, kann das unangenehmen Druck auslösen. Osteopathen spüren diese Spannungen auf und normalisieren sie. Auch Dreimonatskoliken können Säuglinge zum Weinen bringen. Hier sehen Osteopathen den Grund in einer Mobilitätsstörung des Darms, der dadurch verkrampft. Stuhl bleibt zu lange im Darm, dadurch entstehen schmerzhafte Blähungen. Osteopathen versuchen, diese Verkrampfungen zu ertasten, zu lösen und die Verdauung zu normalisieren. Auch eine Vorzugshaltung kann ein Grund für den Osteopathenbesuch sein, hierbei dreht das Kind seinen Kopf meist nur zu einer Seite.

Mit sanftem Druck wird euer Kind behandelt

Wie läuft eine Behandlung ab?

Eine Behandlung in einer osteopathischen Praxis dauert meist zwischen 30 und 50 Minuten. Zu Beginn suchen die Experten das Gespräch. Im Rahmen dieser sogenannten Anamnese wirst du gefragt, welche Symptome dein Baby zeigt, wie die Geburt verlaufen ist und was deine Einschätzung ist. Danach erfolgen die Diagnose und die Behandlung. Beides machen Osteopathen mit ihren Händen. Sie tasten den Körper, das Gewebe, die Knochen und die inneren Organe und schauen, welche Bewegungseinschränkungen und Spannungen es dabei gibt. Durch sanfte einfühlsame Bewegungen lösen sie diese Verspannungen.

Gibt es Nebenwirkungen bei Osteopathie?

Schwerwiegende Nebenwirkungen gibt es bei der Osteopathie nicht. Der Körper kann jedoch auf die Behandlung reagieren, dabei kann es zu einer kurzfristigen Verschlimmerung der Beschwerden kommen. Viele Babys sind nach einer Behandlung meist nur müde und brauchen ein extra Schläfchen. Zu beachten ist allerdings, dass die Datenlage zur Wirksamkeit osteopathischer Behandlungen noch recht dünn ist. Ausreichend wissenschaftliche Belege fehlen. Daher gibt es Schulmediziner, die diesem Zweig skeptisch gegenüberstehen und auch Krankenkassen, die die Behandlung nicht übernehmen.

Wo finde ich einen Osteopathen für mein Baby?

Die Kinderärztin kann euch ein Rezept für eine osteopathische Bahndlung ausstellen.

Mehrere große Verbände haben sich in Deutschland auf die Ausbildung von Osteopathen spezialisiert. „Osteopathie für Kinder ist eine Spezialdisziplin der Osteopathie“, erläutert Christoph Bellmann vom Arbeitskreis Kinderosteopathie des Bundesverbandes Osteopathie BVO. „Sie erfordert eine besondere Ausbildung. Babys und Heranwachsende sind mitten in ihrer Entwicklung. Beständig verändern sich ihre Muskeln, Gewebe und Knochen ebenso wie ihr Hormonhaushalt und Stoffwechsel. Kinderosteopathen benötigen umfassende Kenntnisse zu Entwicklung und Wachstum der Kleinen, um ihre Beschwerden sicher und wirksam behandeln zu können.“ Der BVO zertifiziert Kinderosteopathen mit einem speziellen Siegel, für das die Therapeuten eine reguläre Osteopathie- sowie eine umfangreiche Kinderosteopathie-Ausbildung nachweisen müssen. Auf seiner Homepage (bitte verlinken zu BV Osteopathie e.V. – Therapeut und Informationenen zur Osteopathie finden (bv-osteopathie.de) gibt es eine Suchmaske, in der auch nach Kinderosteopathen gefiltert werden kann. Als weitere große Organisation hat auch der Verband der Osteopathen in Deutschland (Bitte verlinken zu Therapeutenliste – Verband der Osteopathen Deutschland e.V. (VOD e.V.) (osteopathie.de)) eine Liste seiner Therapeuten auf seiner Homepage.

Wer übernimmt die Kosten?

Meist kostet eine osteopathische Therapiestunde zwischen 60 und 100 Euro. Um einen Behandlungserfolg zu sehen, sind bei Babys meist drei bis fünf Sitzungen erforderlich. Einige gesetzliche Krankenkassen erstatten ihren Versicherten diese Kosten. Meist gelten dafür gewisse Bedingungen. So sollte der Osteopath bei einigen Versicherungen Mitglied in einem Berufsverband sein. Zudem wird ein ärztliches Rezept benötigt. Meist übernehmen Krankenkassen drei Behandlungen pro Kalenderjahr. Es lohnt sich daher, einmal bei seiner Versicherung nachzufragen.

Bilder: Getty

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